Hier die neue Termine für das Jahr 2020

Veranstaltungskalender Gedaechtnisstuebele 2020

Zusammenarbeit und Austausch über Grenzen hinweg zum Wohle der Betroffenen

Treffen in Wien (v.l.): Monika Kripp (Alzheimer Austria), Edith Moroder (ASAA), Denis Mancini und Lydie Diederich (Alzheimer Luxemburg), Antonia Croy (Alzheimer Austria), Matthias Brüstle (Demenz Liechtenstein), Stephanie Becker (Alzheimer Schweiz) und Sabine Jansen (Deutsche Alzheimer Gesellschaft)

Netzwerkarbeit hilft nicht nur den ehrenamtlichen Vereinen im Land, Synergien zu erkennen und gemeinsam zu nützen. Auch länderübergreifend bringt das viele Vorteile. ASAA-Alzheimer Südtirol Alto Adige beteiligte sich daher Mitte Jänner d.J. am Treffen, das Vertreter/innen der deutschsprachigen Alzheimer-Organisationen aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, Luxemburg und Liechtenstein in Wien zusammenführte. Vorarbeiten dazu fanden bereits 2018 in Bern und 2019 in Luxemburg statt. Bei diesem nunmehr dritten Treffen wurde die Zusammenarbeit auch in einer offiziellen Kooperationsvereinbarung festgehalten, die die Vertreter/innen der einzelnen Vereine unterzeichneten. Bei der geplanten Kooperation geht es um den Austausch über Demenzstrategien und –pläne, um Kampagnen und Initiativen zum Thema Demenz, um Versorgungskonzepte und erfolgreich realisierte Projekte.

Ebenso sind arbeitsteilige Produktionen von Texten und der Austausch eigener Infobroschüren denkbar, denen alle wertvolle Anregungen für spezifische Aktivitäten entnehmen können. Denn in Zeiten knapper Ressourcen besinnt man umso mehr darauf, Zeit und Mittel einzusparen. – Das nächste Treffen steht bereits fest: Es wird im Juli in Südtirol stattfinden. Bei dieser Gelegenheit soll ein schon in Vorbereitung befindlicher Leitfaden zur angemessenen Sprache über Demenz erstellt werden, der zur allgemeinen Sensibilisierung und zum Abbau diskriminierender Wendungen dienen kann. Alle Organisationen tragen in ihrem Bereich dazu bei, befragen Betroffene und möchten anschließend auch den Medien eine hilfreiche Anleitung dazu übermitteln. (ehm)

Große Freude:
ASAA erstmals mit unserer Vizepräsidentin Edith Moroder im Netzwerk der deutschsprachigen Alzheimer Gesellschaften und Selbsthilfeorganisationen vertreten in Wien am 16.1.2020 im Gmoakeller.

Im Bild von links nach rechts: Werner Müller, Roland Griessmair, Markus Huber, Gregorio Rungger, Oswald Mair, Bettina Wachtler, Marion von Sölder, Walter Amhof, Gebhard Mair, Ulrich Seitz

Vor Kurzem hat am Krankenhaus Bruneck die bereits zur Tradition gewordene jährliche Tagung des „Psychosozialen Netzwerkes Pustertal“ stattgefunden. Die Ausgabe 2019 war trotz schwieriger Witterungsbedingungen sehr gut besucht, was auch am Thema der heurigen Initiative lag, ist sich Mitorganisatorin Claudia Lambeck, sicher. Es ging nämlich um die Qualität im Alter, nach dem Motto „gesund und sozial 2030 im Pustertal“.
Koordiniert wurde dieser spannende Austausch wichtiger Entscheidungsträger aus dem sozio-sanitären Bereich im Zusammenspiel zwischen dem Gesundheitsbezirk Bruneck, der Bezirksgemeinschaft Pustertal und der Sozialgenossenschaft EOS, die seit Jahren den Austausch zu gesellschaftlich bedeutsamen Themen im Pustertal anregt. Die Moderation der Veranstaltung hatte der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol, Ulrich Seitz inne.
Die Altersstruktur der Bevölkerung wird sich bis 2030 deutlich verändern. Konkret referierten die anwesenden Fachleute über unterschiedliche Thematiken, die für das Pustertal und darüber hinaus von großem Interesse sind. Eine Fragestellung, die besonders intensiv diskutiert wird ist der demographische Wandel einer alternden Gesellschaft. Dazu gab Frau Primaria Marion von Sölder vom Dienst für Basismedizin Auskunft. Wer heute im Pustertal 80 Jahr alt ist, ist im Durchschnitt biologisch-medizinisch in deutlich besserem Gesundheitszustand als Gleichaltrige vor 20 Jahren. Bei Personen mit Geburtsjahrgang 1950 werden voraussichtlich knapp 6 Prozent der Männer und fast 10 Prozent der Frauen 100 Jahre alt. Von der Generation 2013 werden wahrscheinlich rund 18 Prozent der Bevölkerung ihren 100. Geburtstag feiern können, das vermelden zumindest die aktuellen epidemiologische Untersuchungen im Lande. Ein Überblick zu den Angeboten in der neuen „Memory Clinic“ am Krankenhaus Bruneck erfolgte durch den zuständigen Primar der Neurologie, Gregorio Rungger. Dass das Altern auch Herausforderungen für die Psyche darstellt, unterstrich der Primar Markus Huber vom Psychiatrischen Dienst in Bruneck. Was es mit einer bedarfsgerechten Rehabilitation im Alter auf sich hat, erklärte schließlich die Primaria der Abteilung Rehabilitation am Krankenhaus Bruneck, Bettina Wachtler.
Zu Recht wird immer wieder diskutiert, ob in unserer Gesundheitsversorgung die medizinischen Bedürfnisse älterer Patienten mit akuten spitalbedürftigen Erkrankungen adäquat befriedigt werden. Hier liegt es auch an den Hausärzten im Dialog mit den Fachärzten zu entscheiden, ob die Akuterkrankung eines älteren Menschen mittels klassischer Organmedizin behandelt werden kann oder ob eine spezifische altersmedizinische Hospitalisation notwendig ist.
Die Vertreter des Sozialwesens ermöglichten mit ihren Stellungnahmen einen detaillierten Einblick in die ambulante Seniorenbetreuung im Pustertal und in das stationäre Leistungsspektrum im Bezirk. Gebhard Mair, Direktor der Sozialdienstes BZG Pustertal und Werner Müller, Direktor der Wohn- und Pflegeheime Mittleres Pustertal waren dazu geladen. Voneinander lernen, mehr über die Arbeit der Anderen erfahren, Doppelgleisigkeiten vermeiden, und für Patienten sowie Familien im Netzwerk effizient zu wirken, das wünschen sich auch der Direktor des Gesundheitsbezirks Bruneck, Walter Amhof, wie auch Oswald Mair, der Direktor des Verbandes für Seniorenwohnheime.
Klare Worte für eine sinnvolle Kooperation zwischen Sanität und Sozialem fand zu guter Letzt ebenso der Bürgermeister der Gemeinde Bruneck, Roland Griessmair. Er verlangte wie andere Mitredner eine ständige Überprüfung der derzeit oftmals sehr rigiden Akkreditierungsrichtlinien in Pflegeeinrichtungen.
Aus der Tagung resultierte, dass der Tenor der Fachleute durchwegs positiv ist, vor allem weil es nun darum geht, am konkreten Beispiel des Pustertals die Herausforderungen der Zukunft in der Betreuung und Pflege in wirklich enger Abstimmungen zwischen den Gesundheits- und Sozialdiensten in Angriff zu nehmen. Um die Situation der Pflegekräfte spürbar besser zu machen, müssen sich auch die Arbeits- und Rahmenbedingungen im Job verbessern, so die Teilnehmer der Veranstaltung.
Qualität und Transparenz in der Pflege sind diesbezüglich unverzichtbare Merkmale. Pflegebedürftige Menschen haben einen Anspruch auf gute Pflege – und gute Pflege muss auch weiterhin klar erkennbar sein.
Einige wichtige Daten zur Situation im Pustertal
Im Pustertal erhalten derzeit rund 1.500 Personen das Pflegegeld daheim in Höhe von insgesamt 1.320.000 Euro.
Davon sind
643 Personen 43,7 Prozent  in der 1. Stufe
510 Personen 34,6 Prozent in der 2. Stufe
260 Personen 17,7 Prozent in der 3. Stufe
über 60 Personen 4,1 Prozent in der 4. Stufe.
Im gesamten Land Südtirol wurde hingegen im letzten Monat an 12.300 Personen Pflegegeld in Höhe  von insgesamt 10.390.000 Euro ausbezahlt.

Ein Dank an das Team der „Südtiroler Frau“ für den Bericht im Monat November 2019

ASAA Wanderausstellung neuerlich zu Gast in Meran

Danke für den Artikel in der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 3. November 2019

Danke für den Artikel in der Tageszeitung Dolomiten vom 9/10 November 2019

Am Sonntag, 3. November 2019 wird in New York wieder der weltbekannte Marathonlauf stattfinden. Mit dabei auch einige Südtiroler. Parallel zum Marathonlauf findet eine Benefizaktion für die Vereinigung A.S.A.A. – Alzheimer Südtirol Alto Adigestatt.
Die Kalterer Liedermacherin Barbara Zanetti hat für diesen Anlass im August den Song „Hymne an das Leben” veröffentlicht. Wir wollen mit Barbara über den Song und die Benefizaktion sprechen und spielen die „Hymne an das Leben” natürlich auch.
und weil wir das Interview vor dem Sendetermin aufgenommen haben, haben wir auch schon das Foto-Replay” mit Barbara in der Regie

http://radiofreierfall.blogspot.com/2019/09/barbara-zanetti-run-for-life.html?m=1

Vor Kurzem organisierte die Alzheimer Vereinigung Südtirol einen spannenden Infonachmittag zu einer äußerst aktuellen Thematik. Es ging um „Gewalt an Senioren“. (Folgt)


Im Bild von links nach rechts: ASAA Präsident Ulrich Seitz, Referentin Paola Taufer

Zu Gast in Bozen war dabei die bekannte Psychologin, Journalistin und Vertreterin der Chancengleichheit, Paola Taufer aus Trient. Sie setzt sich seit Jahren engagiert mit der Problematik von Gewaltsituation im Alter auseinander und hat bereits sehr viele Artikel dazu veröffentlicht. Wie sie betont, reden die meisten älteren Menschen nicht über die ihnen gegenüber angewendete Gewalt. Insbesondere ältere Frauen sind oft emotional und ökonomisch abhängig, haben immer noch geschlechtsspezifische Rollenbilder, glauben, dass „niemand etwas unternehmen kann“, und schämen sich über ihre Opferrolle. Gewalthandlungen an älteren Menschen dürfen jedoch keine „normalen“, „alltäglichen“ und „üblichen“ Vorkommnisse sein, so unterstreicht Ulrich Seitz, der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol, der immer wieder mit Fällen konfrontiert wird, wo es sich zeigt, dass sich die Beziehung zwischen älteren Menschen und Betreuungspersonen als extrem schwierig bzw. angespannt gestaltet. Nicht zu vergessen ist ebenso, dass auch Betreuungspersonen Gewalt ausgesetzt sein können. Diese sind oftmals durch strukturelle Rahmenbedingungen, gegenseitige Abhängigkeiten, widersprüchliche Erwartungen usw. verursacht. Damit ältere Menschen und Betreuungspersonen, die Gewalt erleiden, mit ihren vielfältigen Problemen gehört werden und fachkundige Unterstützung erhalten, setzt sich nun verstärkt die Alzheimervereinigung Südtirol ein und möchte mithelfen, dass die zuständigen Dienste schneller in konkreten Fällen intervenieren können. Die ASAA appelliert an Menschen, die selbst Gewalt erfahren, für Personen, die Gewalthandlungen an älteren Menschen beobachten, aber auch für Betreuungspersonen, die befürchten, bei der Betreuung und Pflege selbst Gewalt anzuwenden, sich ja nicht zu verstecken, sondern an die Öffentlichkeit zu treten. International vergleichbare Daten zu Misshandlungen älterer Menschen sind kaum vorhanden, sodass ein Begreifen der Dimension des Problems und eine Überwachung der Entwicklung erschwert werden. Vor allem aber stellt Misshandlung nach wie vor ein absolutes Tabu-Thema, die aus Angst, ein Familienmitglied bloßzustellen, keine Unterstützung zu erhalten oder gegen ihren Willen in ein Heim gebracht zu werden, stumm bleiben. Die Aufdeckung von Misshandlungen von Menschen mit eingeschränkten oder reduzierten Fähigkeiten, wie Alzheimer- oder anderen Demenzpatienten/-patientinnen, ist umso schwieriger, da diese Menschen ihre Hilfsbedürftigkeit nicht ausdrücken können, berichtet Ulrich Seitz. Die Referentin der gut besuchten Info-Veranstaltung strich hervor, dass die Dunkelziffer von Misshandlungsfällen auch in Ländern mit Meldepflicht vermutlich sehr hoch sind. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge liegt die Zahl der nicht gemeldeten Misshandlungsfälle bei bis zu 80 % (WHO-Bericht 2016). Aus den vorliegenden Erkenntnissen, so Taufer muss man davon ausgehen, dass schätzungsweise rund 4 Millionen Senioren in Europa Gewalt erfahren.

Misshandlungen in den Heimen sorgen in den Medien für Schlagzeilen, erinnert Paola Taufer. Doch an die Öffentlichkeit dringen nur wenige Fälle. In den Heimen ist jedoch immer noch jemand da, der etwas sieht. Aber zu Hause geschehen viele Misshandlungen unbemerkt, sagt die Expertin. Gewalt an Betagten kann viele Formen annehmen, so schildert sie. Denken wir beispielsweise an:

• Psychische Gewalt: Beschimpfungen, Drohungen
• Physische Gewalt: Rütteln, Schlagen, Anbinden.
• Finanzielle Gewalt: Geld unterschlagen, einen Vertrag zum Nachteil des Betagten unterschreiben lassen.
• Vernachlässigung: Medizinische Hilfe untersagen, nicht bei der Hygiene helfen.

Angehörige sind oft überfordert: Viele dieser Handlungen passieren nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Überforderung. Das hat Paola Taufer in mehreren Untersuchungen festgestellt. Häufig ist es der Ehemann, der mit der dementen Ehefrau nicht mehr weiter weiß. Oder es ist die Tochter, die den Vater ans Bett bindet, während sie zur Arbeit muss. Ulrich Seitz hebt hervor, dass viele zu spät Hilfe holen. Zahlreiche Betreuungspersonen schlittern in eine Situation hinein. Sie sind sich gar nicht bewusst, was das an Zeit und Kraft kostet. Und dass es immer schlimmer wird. Deshalb ist es grundlegend, dass Angehörige früh genug über die Probleme reden und sich unbedingt Hilfe holen. Und etwas ist ebenso klar: es bringt vielfach nichts, von Tätern und Opfer zu reden, denn sowohl die Betagten als auch ihre Betreuungspersonen leiden unter der Situation. Die Alzheimervereinigung Südtirol fordert weiterhin in enger Zusammenarbeit mit allen involvierten Diensten im Gesundheits- und Sozialbereich, an Strategien zu arbeiten, die darauf abzielen, Menschen für die unterschiedlichen Kontexte, in denen sich Gewaltepisoden ereignen können, und somit für das Verhindern von Missbrauch zu sensibilisieren. Freiwillige sollten ebenso dazu in der Lage sein, Misshandlungen als solche zu erkennen, mit den Rechten älterer Menschen vertraut zu sein und wissen, an wen sie sich für Unterstützung wenden können.