Demenz in Südtirol: Zahlen gehen weit auseinander

Aus der „Dolomiten” vom 21.09.26: „ASAA: Auswertung von Alzheimer Südtirol zeigt bis zu 16.300 mögliche betroffene“

Aus der Zeitschrift „Dolomiten“ vom 21.09.2026

Anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages 2026 möchte der Verein Alzheimer Südtirol ASAA auf aktuelle Daten zur Prävalenz und Sterblichkeit infolge von Demenz eingehen und dabei das Bundesland Tirol, die Autonome Provinz Südtirol und die Autonome Provinz Trient miteinander vergleichen. Anlass dafür ist nicht zuletzt, dass bei verschiedenen Veranstaltungen in jüngster Zeit unterschiedliche Zahlen präsentiert wurden. Mit diesen hat sich der wissenschaftliche Leiter des Fachbeirats des Vereins ASAA, Markus Falk, näher auseinandergesetzt. Nach einem Abgleich mit den neuesten Eurostat-Daten ergibt sich ein interessantes Bild mit konkreter Bedeutung für Südtirol, so ASAA-Präsident Ulrich Seitz.

Für Tirol wird derzeit von einer Prävalenz von etwa 13.750 Demenzerkrankten ausgegangen [1]. Tirol hat im Vergleich zu Südtirol zwar deutlich mehr Einwohner, die Bevölkerung bei unseren Nachbarn ist jedoch jünger. Nimmt man die Eurostat-Sterberaten für Demenz einschließlich Alzheimer der letzten zehn Jahre her und rechnet anhand dieser die Prävalenz Tirols auf Südtirol um, so ergibt sich für Südtirol eine Zahl von 13.590 prävalenten Fällen. Für das Trentino ergeben sich nach derselben Methode 10.793 prävalente Demenzerkrankte. Dieser Wert stimmt gut mit dem vom Trentino publizierten Wert von etwa 10.500 Demenzerkrankten sowie zusätzlich 8.800 Personen mit kognitiven Einschränkungen überein [2].

Weitere Datenquellen ergeben für Südtirol für das Jahr 2025 folgende Prävalenzschätzungen: „Global Burden of Disease“ – eine internationale Forschungsgruppe – kommt auf 12.205 Fälle [3]. 9.353 prävalente Fälle ergeben sich, wenn ausschließlich Diagnosen nach DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4. Auflage; standardisierte klinische Diagnosekriterien für Demenzerkrankungen) herangezogen werden, mit einer Schwankungsbreite von 6.614 bis 12.090 Fällen [4].

Überträgt man die Ergebnisse einer großen portugiesischen Stichprobe auf Südtirol, ergeben sich 4.508 Fälle, wenn ausschließlich nach DSM-IV diagnostiziert wird, und 11.194 Fälle, wenn zusätzlich Krankenhausentlassungsdiagnosen einbezogen werden [5]. Die Zahl der prävalenten Fälle hängt somit in erheblichem Maße von den zugrunde gelegten Diagnosekriterien ab.

Für unseren Verein ist die Gesamtzahl der Betroffenen von besonderer Bedeutung, da Unterstützungsbedarf häufig bereits vor oder unabhängig von einer klinischen Behandlung besteht. Die Einschätzung der AOK – einer der größten gesetzlichen Krankenkassenverbünde in Deutschland –, wonach als Faustregel etwa 3 % der Bevölkerung an Demenz erkrankt sind [6], unterstreicht dies zusätzlich. Auf Südtirol übertragen entspräche dies rund 16.300 Personen.

Für Südtirol ist somit von einer vergleichsweise hohen Zahl an Demenzerkrankten auszugehen, wenngleich andere Quellen deutlich niedrigere Prävalenzschätzungen ausweisen.

 

Tirol Südtirol Trentino
Bevölkerung 65 +, Jahr 2025 154.005 116.632 131.662
Standardisierte Sterberate an Demenz inklusive Alzheimer 65 +, Jahre 2013-2023 auf 100.000 Einwohner 199,85 260,79 183,47
Prävalenz 2025 13.752 13.591 10.793

 

Quelle Eurostat – causes of death – standardised death rate y Nuts 2 region of residence

 

[1] https://www.demenz-tirol.at/page.cfm?vpath=demenz/haeufigkeit—keine-seltene-krankheit&pagemode=betroffene

[2] https://www.comune.trento.it/Novita/Notizie/Mese-dell-Alzheimer-contrastare-lo-stigma-e-promuovere-una-comunita-piu-consapevole

[3] Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME). GBD Results. Seattle, WA: IHME, University of Washington, 2025. Available from https://vizhub.healthdata.org/gbd-results/

[4] Bacigalupo I, Mayer F, Lacorte E, Di Pucchio A, Marzolini F, Canevelli M, Di Fiandra T, Vanacore N. A Systematic Review and Meta-Analysis on the Prevalence of Dementia in Europe: Estimates from the Highest-Quality Studies Adopting the DSM IV Diagnostic Criteria. J Alzheimers Dis. 2018;66(4):1471-1481. doi: 10.3233/JAD-180416. PMID: 30412486; PMCID: PMC6294583.

[5] Gonçalves-Pereira, M., Cardoso, A., Verdelho, A. et al. The prevalence of dementia in a Portuguese community sample: a 10/66 Dementia Research Group study. BMC Geriatr 17, 261 (2017). https://doi.org/10.1186/s12877-017-0647-5

[6] Daten zur Erkrankung Demenz in Deutschland. – AOK Gesundheitsatlas Deutschland

Demenz-Caffè

Der Herbst ist da! - Einladung

Gesund leben – gemeinsam vorbeugen

Erfolgreicher Start der Informationsreihe

Termine, die Sie sich vormerken sollten

Unsere nächste Veranstaltungen

Unsere Sponsoren