Mitteilung zum Welt-Alzheimertag 2026

In Südtirol wird vom Verein Alzheimer Südtirol ASAA unter das Motto „Ohne Sie (sie) wären viel ärmer“ gestellt

ASAA Präsident Ulrich Seitz und Referentin Sophie Rosentreter

Aus der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 21.09.2026

Aus der „Südtiroler Tageszeitung“ vom 18.09.2026

Der diesjährige Welt-Alzheimer-Tag in Südtirol wird vom Verein Alzheimer Südtirol ASAA unter das Motto „Ohne Sie (sie) wären viel ärmer“ gestellt.

Zum Auftakt gab es dazu einen Abend mit der Hamburger Demenzaktivistin Sophie Rosentreter, die ihren beruflichen Werdegang eigentlich in einem ganz anderen Sektor außerhalb des Engagements in der Pflege begann, und zwar als Model und als MTV-Moderatorin. In den Ausführungen berichtet sie wie sie durch die Demenzerkrankung ihrer Großmutter den Sprung zur Buchautorin und Filmemacherin rund um das Thema Alzheimer gewagt hat.

Am Montag, den 21.09. wird um 19 Uhr in der Gärtnerei Schullian in Bozen ein weiterer Gast des Vereins Alzheimer Südtirol auftreten, und zwar Letizia Espanoli, die Mutter, des so genannten “Sentemente-Modells”, das für einen positiv ausgerichteten Ansatz in der Betreuung von Demenzkranken steht.

Ulrich Seitz, der Präsident des Vereins Alzheimer Südtirol erinnert, dass er sich mit dem wissenschaftlichen Leiter im Verein, Markus Falk, auch aufgrund der letzthin in den Medien veröffentlichten Daten für Südtirol, die von verschieden Experten des Gesundheitsdienstes hierzulande, präsentiert wurden, auf eine Gegenüberstellung der Datenlage in den 3 Nachbarregionen Tirol. Trentino und Südtirol gedrängt. Daraus resultiert, Folgendes:

Für Tirol wird derzeit von einer Prävalenz von etwa 13.750 Demenzerkrankten ausgegangen. Tirol hat im Vergleich zu Südtirol zwar deutlich mehr Einwohner, die Bevölkerung bei unseren Nachbarn ist jedoch jünger. Nimmt man die Eurostat-Sterberaten für Demenz einschließlich Alzheimer der letzten zehn Jahre her und rechnet anhand dieser die Prävalenz Tirols auf Südtirol um, so ergibt sich für Südtirol eine Zahl von 13.590 prävalenten Fällen. Für das Trentino ergeben sich nach derselben Methode 10.793 prävalente Demenzerkrankte. Dieser Wert stimmt gut mit dem vom Trentino publizierten Wert von etwa 10.500 Demenzerkrankten sowie zusätzlich 8.800 Personen mit kognitiven Einschränkungen überein.

Die aktuellen Forderungen des Vereins Alzheimer Südtirol ASAA für 2026 sind nun folgende:

  1. Der steigenden Zahl betroffener Menschen begegnen
    Aufgrund des demografischen Wandels und des Fehlens wirksamer Therapiemöglichkeiten steigt die Zahl der Menschen mit einer Demenzerkrankung in den nächsten Jahren weiter an. Die politischen Verantwortungsträger müssen diese Herausforderung endlich ernst nehmen und effektive Maßnahmen ergreifen, um Menschen mit Demenz und deren Angehörige besser zu unterstützen.
  2. Teilhabe ermöglichen Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen wollen gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen
    Sie erleben aber regelmäßig eine Exklusion aus dem sozialen und kulturellen Leben. Menschen, die im jüngeren Lebensalter an einer Demenz erkranken, erhalten darüber hinaus häufig keine Möglichkeit nach der Diagnose mit ihren weiterhin vorhandenen Fähigkeiten beruflich tätig zu sein. Die Politik muss dringend Maßnahmen ergreifen, die den Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen eine umfassende Teilhabe ermöglichen.
  3. Zugang zu Teilhabeleistungen sicherstellen
    Die durch eine Demenz entstehenden Einschränkungen führen regelmäßig zur Zuerkennung einer Schwerbehinderung.
  4. Zeitgerechte Diagnose und Therapie sicherstellen
    Eine zeitnahe und leitliniengerechte Diagnose ist für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen unabdingbar, um eine angemessene Therapie zu erhalten und ihr Leben an die Krankheit anpassen zu können. Angesichts von Hürden bei der Diagnosestellung durch vielerorts mangelnde Kapazitäten und fehlende Verfügbarkeit von Fachärztinnen und Fachärzten, muss die Politik Maßnahmen ergreifen, damit Betroffene eine zeitgerechte Diagnose und Behandlung und Therapie erhalten unabhängig davon, wo sie leben.
  5. Angebot nicht-medikamentöser Therapien verbessern
    Die therapeutische Begleitung von Menschen mit Demenz kann und darf sich nicht auf Medikamente beschränken. Nicht-medikamentöse Therapiemöglichkeiten sind seit vielen Jahren entwickelt und gut evaluiert. Deren Verfügbarkeit und Refinanzierung muss verbessert werden.
  6. Prozesshafte Begleitung der Erkrankten etablieren
    Nach einer Demenzdiagnose benötigen Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen umfassende Beratung und Begleitung. Ein entsprechendes Prozessbegleitungs- oder Case Management-System muss zukünftig in den Sozialgesetzbüchern etabliert und somit auch finanziert werden.
  7. Die Politik muss beides in höherem Umfang als bisher unterstützen und fördern.
  8. Qualifizierte Pflege- und Betreuungsangebote flächendeckend verfügbar machen
    Gerade weil die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz zur ganz überwiegenden Selbsthilfe unterstützen und fördern Selbsthilfe und ehrenamtliches Engagement von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen sind das zentrale Element für die Bewältigung der Krankheitsfolgen. Teil von An- und Zugehörigen übernommen wird, sind gut qualifizierte Pflege- und Betreuungsangebote zur Unterstützung notwendig, um das Leben mit Demenz in der Häuslichkeit möglichst lange realisieren zu können. Die Politik muss 8. Demenzspezifische Inhalte stärker in der ärztlichen und pflegerischen Ausbildung verankern Trotz der großen Zahl an Betroffenen spielen die Spezifika demenzbedingter Beeinträchtigungen sowie die Lebensrealität von Menschen mit Demenz in den Curricula der ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Aus- und Fortbildung bestenfalls eine randständige Rolle.

Zum Welt-Alzheimer-Tag wird zudem das neue für den Anlass von Liedermacherin Barbara Zanetti komponierte Lied “Vergissmeinnicht” als Dank an alle Betoffene vorgestellt.

Impressionen und Interviews

Ulrich Seitz, ASAA Präsident 

Sophie Rosentreter, Referentin und Hamburger Demenzaktivistin 

Barbara Zanetti, Liedermacherin

Demenz-Caffè

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