Auswirkungen des Pflegekräftemangels in Südtirol

Eine länderübergreifende Zusammenarbeit bei den Ausbildungen wird geprüft.

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Auch in Südtirol wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2035 um 35 Prozent steigen. Ebenso die Zahl fehlender Pflegekräfte. Während der Pandemie wurde klar, welche Auswirkungen der Pflegekräftemangel durch Krankenstände und Impfpflicht und die damit einhergehenden Suspendierungen auf die Versorgung Pflegebedürftiger hatte und hat.

Inzwischen sind vor allem Pensionierungen, mangelnde Ausbildungsplätze, Jobausstieg sowie die Bevorzugung der Akutpflege in Bezahlung und Anerkennung im Vergleich zur stationären Langzeitpflege Grund für die andauernde Not vieler Familien. Durch den Personalmangel beträgt die Wartezeit auf die Einstufung oder Wiedereinstufung des Pflegegeldes derzeit mehr als sechs Monate. Die dadurch notwendigen Vorleistungen für bezahlte Hilfen zuhause sind angesichts der Teuerung immer schwerer oder kaum zu erbringen.

 

Mehrkosten können nicht gedeckt werden

Eine Expert*innenarbeitsgruppe zur Sicherung der Pflege wurde durch die Landesregierung eingesetzt. Die Mehrkosten für die Pflege können vom Sozialbudget allein nicht gedeckt werden. Um die Kostenlawine einzugrenzen, könnte das Pflegegeld in Zukunft nur mehr einkommensabhängig erhöht werden und eine Zusatzversicherung für Pflegebedürftigkeit eingeführt werden. Die Zunahme von Senior*innen, die in Singlehaushalten leben und die Abnahme familiärer Pflege kommen als Gründe für die Herausforderungen der Pflegeversorgung in Zukunft hinzu. Denn es wird immer schwerer, im Fall der Pflegebedürftigkeit das nötige Fachpersonal und Hilfskräfte zu finden.

Die Konkurrenz um ausländische Pflegekräfte soll durch Übereinkommen zwischen Tirol, Südtirol und dem Trentino entschärft werden. Eine länderübergreifende Zusammenarbeit bei den Ausbildungen wird geprüft. Einmalzahlungen und Zulagen wurden 2022 von den Gewerkschaften im Pflegebereich durchgesetzt. In Nord- und Südtirol wird der Wunsch nach dem Anstellungsmodell für Angehörige im Bereich Pflege laut, da dafür nur die Hälfte der Mittel wie für einen Heimplatz aufzuwenden sind (statt €60.000 nur €30.000). Die Angehörigen sind sozial- und rentenversichert, erhalten einen Mindestlohn von €1.700 und können nach einer Ausbildung zur Heimhilfe in den Pflegeberuf einsteigen.

 

Maßnahmen gegen den Pflegekräftemangel

  • Einbeziehung aller Berufsgruppen bei der Lösungsfindung
  • Echte Wertschätzung durch bessere Löhne in der Altenpflege sowie bessere Arbeitsbedingungen
  • Flexiblere und lebensgerechte Arbeitszeitmodelle
  • Mehr wohnortnahe Ausbildungsplätze in allen Bereichen,
    den Mangel an Lehrpersonal sofort beheben
  • Drop-out Rate während der Ausbildung senken und
    Praktika aufwerten
  • Imagekampagne für Pflegeberufe
  • Pflegeausbildungsprämien für Neueinsteiger*innen bzw. Umsteiger*innen
  • Berufseinstieg für ausländische Pflegekräfte erleichtern, Bürokratie abbauen
  • Schnellere Anerkennung von Pflegeausbildungen
    von ausländischen Pflegekräften
  • Pflegelehre
  • Neue Betreuungs- und Versorgungsstrukturen entwickeln
  • Anstellung/Entlohnung für Angehörige wie im Burgenland
  • Digitalisierung fördern (Smartwatches, Digitale Pflegeanwendungen, elektronische Krankenakte, Robotik
    und VR Brillen)
  • Modell der persönlichen Vorsorge und zivilgesellschaftliches Engagement: Die Stunden freiwilliger Arbeit mit betreuungsbedürftigen Personen werden für den Fall des eigenen Betreuungsbedarfes auf einem Zeit-Konto gutgeschrieben

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(22.7.1932 München – 24.12.2023 Jasper/Oregon)

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