Wenn sich Pflegende infizieren

Brenzlig wird es, wenn sich Pflegende Angehörige mit dem Corona Virus anstecken.

Etwa vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt – überwiegend von Angehörigen. Die Corona-Krise belastet diese Familien auch. Darüber hinaus haben noch nicht alle Pflegebedürftigen beziehungsweise pflegenden Angehörigen die Auffrischungsimpfungen erhalten. Brenzlig wird es, wenn sich Pflegende Angehörige mit dem Corona Virus anstecken. Ich erhalte als Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol ASAA, an der Grünen Nummer ständig Anrufe verzweifelter Angehöriger, berichtet Ulrich Seitz. Allein in diesen Tagen sind es rund 100 Familien, die mir von ihrer derzeitigen Situation erzählt haben (wir gehen davon aus, dass derzeit rund 1.300 Pflegende daheim in Südtirol infiziert sind). Konkrete Beispiele: Tamara G. aus Meran ist pflegende Angehörige, eine von Tausenden in Südtirol: Die gelernte Verkäuferin versorgt ihren Mann und ihre Mutter. Seit Corona ist sie weitgehend auf sich alleine gestellt. „Mein Mann hat eine Immunschwäche und Demenz. Ich kann niemanden anrufen, der mir bei der Versorgung hilft, weil ich immer Angst habe, ihn zu gefährden“, sagt sie. Christine F. aus Sterzing geht es ähnlich. Ihr Mann ist schwer an Demenz erkrankt und muss ständig beaufsichtigt werden. Vor Corona besuchte er tagsüber eine Pflegeeinrichtung, während sie arbeiten ging. Dann kam der Lockdown, die Tagespflege schloss. „Das war für mich eine erste Katastrophe“, sagt sie. Seitdem versucht sie den Spagat zwischen Homeoffice und Rund-um-die-Uhr-Betreuung.  Nun der Schock: sie wurde positiv getestet, er nicht. Corona führt dazu, dass pflegende Angehörige immer mehr Aufgaben übernehmen müssen. Dabei hatten viele von ihnen schon vor dem Ausbruch der Pandemie kaum Zeit für sich selbst.

 

Wir als Alzheimervereinigung ASAA appellieren an die Gesundheits- und Sozialdienste zusätzliche Hilfestellungen für pflegende Angehörige, gerade in der akuten Situation der Ansteckung der Betreuenden zu aktivieren, betont Seitz. Das fehlt in Südtirol noch gänzlich. Das Problem ist bereits in einigen Landesteilen in zahlreichen Familien eskaliert, denn der Druck von innen und außen baut sich schnell auf. Er bringt den Pflegenden in moralische Not – und öffnet einen Teufelskreis: die/der Pflegende traut sich nicht mehr zuzugeben, wenn er selbst Hilfe benötigt.

 

Dass sich durch solcherlei Erwartungen auch für ihn selbst Pflichten ergeben – das typische „Nicht-abgeben-wollen“ – ist dabei nur ein Teil des Problems. Es gilt hier dringend beispielsweise mit pensionierten Fachkräften eine Kooperation zwischen öffentlichen Diensten und Vereinen abzuschließen, um den vielen betroffenen Familien im Lande auszuhelfen, auch weil es kaum Plätze für die Kurzzeitpflege oder andere Lösungen in sozio-sanitären Einrichtungen gibt. Zudem fehlen in Südtirol nach einer Überprüfung der Alzheimervereinigung Südtirol SAA zur Zeit rund 850 ausländische Hilfskräfte, die seit dem Ausbruch der Pandemie 2020 nicht mehr ins Land zurückgekehrt sind.

Ulrich Seitz

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