Allein ist das kaum mehr zu schaffen

Großzügige private Spende von Tina Testa an die Vereinigung

Aus der Zeitung „Dolomiten“ vom 19.12.2022

„Vor Kurzem hat es ein berührendes Treffen zwischen einem bemerkenswerten Ehepaar aus Bozen und mir gegeben“, berichtet der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol, Ulrich Seitz.

Er erzählt von der Begegnung mit Antonietta Testa und ihrem Gatten Riccardo Perotti. Die Beiden haben, so Ulrich Seitz, beschlossen, einen Geldbetrag von 5000 Euro für die Unterstützung von Demenzkranken sowie deren Angehörigen zur Verfügung zu stellen. Eine solche Aktion ist gerade in Zeiten wie diesen, wo viele öffentliche Dienste aufgrund verschiedenster Umstände, auf Sparflamme gesetzt wurden, von enormer Bedeutung, unterstreicht Seitz. Für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und Pflegenden ist diese Phase der Veränderungen beunruhigend. Die Gefahr, dass Angehörige die Grenzen ihrer Belastbarkeit weit überschreiten, ist gerade bei Demenz besonders groß. Das wurde in diesen Weihnachtstagen wieder sehr evident, betont Seitz.  Denn die Veränderungen, die eine Alzheimerdemenz auslöst, greift in alle Lebensbereiche ein. Das führt oftmals dazu, dass Angehörige ihre eigenen Bedürfnisse häufig in den Hintergrund stellen.

Aus dieser Aufopferung resultiert meist eine seelische und körperliche Überforderung des pflegenden Angehörigen, die meist in totaler Erschöpfung und Resignation mündet. Wir kämpfen landesweit dafür, dass beispielsweise für berufstätige Angehörige teilstationäre Angebote als unverzichtbare Entlastung bei der Pflege zum Standard werden. Neben Tagespflegeeinrichtungen brauchen wir Angebote der Nachtpflege, in denen für den immer größer werdenden Bedarf in Südtirol, die Versorgung über Nacht sichergestellt ist. Die Entwicklungen der letzten 2 Jahre zeigen uns auf, dass wir einen massiven Nachholbedarf haben. Ulrich Seitz möchte aber noch ein weiteres Thema in den Vordergrund rücken. Senioren, gerade Alleinstehende mit chronischen Erkrankungen geraten auch in Südtirol immer stärker in das Blickfeld von Kriminellen. Mit diversen Tricks versuchen sie, ältere Bürger zu betrügen oder zu bestehlen. Sie werden häufiger durch Eigentums- und Vermögensdelikte geschädigt und sind bei Trickdiebstahl und Betrug überrepräsentiert. Wenn es die Täter auf die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft abgesehen haben, dann reicht ihr Beuteschema vom Betrug an der Haustür über den Enkeltrick und Schockanrufe am Telefon bis zum Einbruch. Bei allen Taten ist das höhere Lebensalter der Opfer ausschlaggebend. Gezielt werden Schwächen wie Demenz, Schwerhörigkeit, Unsicherheit, Einsamkeit und Hilfsbereitschaft ausgenutzt. Die Geschädigten schämen sich meistens und ärgern sich, am meisten über sich selbst. Sie wollen es oft nicht einmal ihren Kindern erzählen“, so Seitz. Dennoch ist sein Appell: „Melden, melden, melden.“ Wer einen Betrugsversuch weitergibt, hilft dabei, andere zu schützen, ist sich die Alzheimervereinigung Südtirol gewiss.

Eine Alzheimererkrankung führt fast zwangsläufig zur Pflegebedürftigkeit.  Und die Pflege von Alzheimerkranken kann sich über weit mehr als 10 Jahre hinziehen. Angehörige kommen dabei nicht selten an ihre psychischen und körperlichen Grenzen. Viele arbeiten noch und haben Familie oder sind selbst schon hochbetagt. Umso wichtiger ist, die Pflege auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

Es gibt viele neue Kurse und Beratungsangebote, die in diesen Wochen starten: „unter pflegenden Männern“, „Validation für Familien“ und zahlreiche Fachreferate. Des Weiteren können Hausbesuche garantiert werden. Für mehr Infos: info@asaa.it oder Grüne Nummer 800660561.

Im Bild von links nach rechts: ASAA Vorstandsmitglied Helmuth Ohnewein, das Unterstützer-Paar Antonietta Testa und Riccardo Perotti, ASAA Präsident Ulrich Seitz

Volgt das Interview von G.News – www.gnewscoop.it vom 16.12.2022

Einige Tipps für Familien mit Demenzkranken daheim 

von Ulrich Seitz

Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine gute Gelegenheit, den Menschen mit Demenz näher zu kommen und mit ihnen schöne Momente zu erleben. Die Hinwendung zu kulturellen und familiären Traditionen und Ritualen in dieser Zeit schafft eine ganz besondere Atmosphäre und vermittelt den Menschen mit Demenz Sicherheit und Geborgenheit. Rituale erinnern die Menschen an ihre Vergangenheit, denn sie können trotz ihrer Demenz die Freude ihrer Kinderzeit noch erspüren. Das gemeinsame Erleben dieser Zeit und ihrer Feste fördert und unterstützt die Geselligkeit, ermöglicht und erleichtert soziale Kontakte, schafft Gemeinsamkeit und begünstigt besonders auch die Kommunikation in der Familie.

Einige Möglichkeiten, Vorfreude auf das Weihnachtsfest zu wecken:

  • Berücksichtigen der Biografie: Schauen Sie auf die Wünsche, Vorlieben und Möglichkeiten des Menschen mit Demenz. Nicht jeder bastelt, backt oder singt gleich gerne.
  • Die Advents -und Weihnachtszeit kann man durch verschiedene Düfte bereits wahrnehmen, wie z. B. Orangen- und Mandarinenduft, Weihnachtsgewürze (Zimt, Nelken, Bratäpfel). Besonders auch der Duft von frischen Tannenzweigen wird von Menschen mit Demenz als angenehm empfunden. So kann das Anzünden der Kerze (immer nur unter Beaufsichtigung wegen Brandgefahr!) an jedem Festtag mit dem Genuss von Tee/Punsch und Keksen Gemütlichkeit und Wohlbefinden aufkommen lassen.
  • Weihnachtsgeschichten vorlesen: Bei Menschen mit Demenz ist diese Zeit ideal, um Erinnerungen an selbstgebackene Kekse, weihnachtliche Düfte, Familientraditionen und auch selbst erlebte Weihnachtsgeschichten zu wecken.
  • Der gemeinsame Aufbau einer Krippe kann zu einem schönen Erlebnis werden, ist entspannend und bietet viel Gesprächsstoff.
  • Der Weihnachtsbaum symbolisiert das Weihnachtsfest. Das gemeinsame Schmücken des Baumes weckt schöne und vertraute Erinnerungen, der Mensch mit Demenz kann sich aktiv und kreativ mit eingebunden fühlen, er darf an der Vorbereitung Anteil haben. Lassen Sie die Kugeln fühlen und denken Sie, dass auch Zusehen und Zuhören Teilhabe bedeutet.
  • Weihnachtslieder: Das Singen von Weihnachtsliedern hat einen besonderen Stellenwert. Menschen mit Demenz können oft sogar noch völlig textsicher Weihnachtslieder singen. Auch werden durch Musik Brücken zu früher Erlebtem geschaffen. Angenehme Emotionen fördern die Kommunikation und das Gemeinschaftsgefühl.
  • Reizüberflutung vermeiden: Feiern Sie das Weihnachtsfest ganz so wie Sie es gewohnt sind – nur etwas ruhiger, reizarmer und gemütlicher. Die Dekoration, die Lautstärke und das Programm sollten den Menschen mit Demenz nicht überfordern. Dazu gehört auch ein Weihnachtsessen mit wenig Gängen und einfarbigen Servietten. Die Angehörigenbesuche sollten möglichst abgesprochen und programmiert werden; planen Sie für den Menschen mit Demenz auch kleine Ruhepausen ein.

Antonietta „Tina“ Testa mit Riccardo Perotti

PM Gut Sehen kann Demenz vorbeugen

Der Verein Alzheimer Südtirol Alto Adige ASAA lud vor kurzem zu einem Fachvortrag mit aufschlussreichen Informationen

Familien am Limit

Bis zu einem Jahr Wartezeit beim Pflegegeld

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