Projekt „Zeichen setzen“

In Zusammenarbeit mit der Berufsschule Schlanders unter Direktorin Virginia Maria Tanzer und dem Künstler Benno Simma haben wir von der ASAA ein Kunstprojekt gestartet. Die Meisterklasse für Steinbearbeitung der Fachschule Laas arbeitet aktuell an Erinnerungswerken: Die Themen wurden aus Gesprächen mit älteren Laasern erhoben, die den Studenten Erinnerungen an einschneidende Erfahrungen aus ihrem Leben erzählt haben.

Ausgehend davon haben neun Studenten begonnen, Skulpturen und dreidimensionale Werke zu entwickeln. Unter dem Namen „Zeichen setzen“ werden diese Kunstobjekte ab 7. April 2017 in der St. Markus Kirche in Laas ausgestellt. Unterstützt wurde die Initiative von der Podini Foundation onlus, der wir in großem Dank verbunden sind.

Erinnerungen Konkret

Die angehenden Bildhauer in Laas sind mitten in der Arbeit: Ihre Erinnerungswerke nehmen bereits Gestalt an. Ein Zwischenbericht.

Erinnerungen formen, lautet der Auftrag, dem die Meisterschüler der Berufsschule Laas gerade nachkommen. Die angehenden Bildhauer konnten sich zwar das Material für die zu gestaltende Skulptur selbst auswählen, aber die Erinnerungen sind nicht ihre eigenen.

„Zeichen setzen“ heißt das Projekt, das die Berufsschule Schlanders in Zusammenarbeit mit der ASAA, Alzheimer Südtirol Alto Adige im vergangenen Herbst gestartet haben. Die Podini-Holding zeigte sich begeistert von der Idee, denn niemand geringerer als Benno Simma, Designer, Künstler und Architekt, hat die Leitung des Projektes übernommen: „Die jungen Leute verarbeiten Erinnerungen von älteren Laasern und Laaserinnen, solche, die sie ihnen in langen Gesprächen erzählt, manchmal verraten haben“, sagt Projektleiter Simma.

Neun Meisterschüler, neun SeniorInnen, neun Erinnerungen. Ein besonderes Detail schafft die Ausgangslage, diese Zeichen zu setzen: Alle Berufsschüler sind aus dem deutschsprachigen Ausland, alle Senioren sind aus Laas. D.h die SeniorInnen erzählen aus einer Geschichte, die den jungen Zuhören zum Teil unbekannt ist: Welche jungen Menschen aus Deutschland,Österreich und der Schweiz kennen schon die Südtiroler Geschichte?

„Fast alle der erzählten Erinnerungen von früher als sie jung waren“, so Benno Simma: Als die Erinnerungsstoff-LieferantInnen jung waren, war Krieg, fand die Option statt, herrscht große Unsicherheit. Ungewollt wurde für die MeisterschülerInnen dies auch zur Geschichtsstunde: Sie mussten sich mit der Südtiroler Geschichte auseinandersetzen, um die Erinnerungen ihres Lieferanten auch verstehen zu können. So sieht Brückenarbeit aus.

So erzählte etwa ein Mann, wie er als Teenager mit seiner Familie in Deutschland ankam, nachdem sie optiert hatten. Keiner hatte dort auf sie gewartet, sie mussten im Freien übernachten und wählten einen abgeschiedenen Wald. Diesen Wald hat der Erzähler fest in seinem Gedächtnis umklammert. Der junge Bildhauer wählte für seine Arbeit einen Baum dieses Waldes.

Symbolik ist die Sprache der Abstraktion, die nun von den Meisterschülern zu ganz Konkretem in Stein, in Holz oder in Metall gehauen werden. Nur eine Seniorin wählte aus ihren Erinnerungen nicht die politischen Turbulenzen, ihrer Jugend, sondern aus ihrem privaten Glück: Wie sie als junges Mädchen von einem Künstler als Modell für eine Büste ausgewählt wurde. Auch diese Erinnerung findet zurzeit in Laas konkrete Gestalt.

Erinnern in Gestalt gesetzt

Die Ausstellung „Zeichen setzen“ ist ein gelungenes Zeugnis dafür, dass Kunst und Menschsein zusammengehören. Nicht umsonst füllte das Publikum zur Eröffnung die St. Markus Kirche in Laas.

Neues wagen. Das war die Philosophie hinter dem Projekt „Zeichen setzen“, das als Ausstellung in der St. Markus Kirche gezeigt worden ist. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Das Neue hat sich bewährt und ist gelungen.
„Ich bin in eine neue, mir bisher ungekannte Welt eingetaucht“, sagte einer der Schüler bei der Eröffnung. „Kaum zu glauben, was da aus meinen Erinnerungen entstanden ist“, zeigte sich ein Senior-Partner voll Bewunderung.
„Zeichen setzen“ ist als Projekt der Erinnerung gewidmet. Künstler Benno Simma begleitete die Meisterschüler der Fachschule für Steinbearbeitung in Laas, Klassenlehrerin Evelyn Kuppelwieser beriet und koordinierte, die Podini Foundation Bozen brachte ihre Begeisterung durch finanzielle Unterstützung zum Ausdruck. 
Am 7. April füllte das Publikum das Hauptschiff des imposanten romanischen Baus, Bürgermeister Andreas Tappeiner eröffnete die Ausstellung.
Virginia Tanzer, Direktorin der Berufsschule Schlanders, stieg beherzt ein als Ulrich Seitz ein halbes Jahr zuvor seine Idee vorbrachte: Der Präsident der ASAA, Alzheimer Vereinigung Südtirol, überlegte, „ob die Bedeutung von Erinnerung nicht in den Mittelpunkt von geformter Kunst gestellt werden kann?“
Erinnerungen bedeutet allen viel und werden mit zunehmendem Alter wichtiger. Manchen fallen erst spät wieder frühe Momente ihres Lebens ein. Andere bekommen ihre Chance  auch da nicht mehr, etwa wenn Krankheiten die Erinnerungen unauffindbar machen –  Demenz hat viele Gesichter, Erinnerung ein großes Gewicht.
Erinnerungen älterer Personen Gestalt werden zu lassen, hieß die Aufgabe der Meisterklasse, die Schuldirektorin Tanzer mit Klassenlehrerin Kuppelwieser dazu einlud. Die neun Meisterschüler trafen sich mit neun SeniorInnen aus Laas, die sich gut an ganz früher erinnern, zu Gesprächen. Die Alten stellten den Jungen ihre Erinnerungen zur Verfügung und so wählte jeder sein Thema, ihr gemeinsames wurde zum Namen des Projekts „Zeichen setzen“.

Eine Brücke zwischen den Generationen. ASAA-Präsident Seitz hielt nicht umhin, dass „für mich im Dialog zwischen den Generationen da ein Traum in Erfüllung gegangen ist.“
Paarweise traten Senior- und Junior-Partner vor den Skulpturen zur Präsentation in der St. Markus Kirche auf – der Brückenschlag war gelungen, die Vertrautheit zwischen den Partnern nicht zu übersehen. Dass die Sonne genau da ihr Licht durch ein kreisrundes Fenster auf die Projekt-Paare warf, war Zufall. Manchmal haben Zufälle Kraft.

Bürgermeister Tappeiner zeigte sich „völlig erfreut, was da Spannendes in unserer Gemeinde gemacht geworden ist.“ Ob Marmor, Holz oder Metall: Jeder Meisterschüler hatte das Material selbst ausgewählt und erzählte in einem kleinen Text über die zur Gestalt gewordenen Erinnerungen. Es blieb dem Betrachter aber auch ohne Worte nicht verborgen, dass hier etwas Besonderes Gestalt angenommen hat. Nur bei einer Skulptur stand anstatt des erwarteten Textes ein Nachruf: Der Senior-Partner war während der Arbeit unverhofft verstorben.
Auch seine Erinnerung hat Gestalt angenommen, zwischen den kräftigen Mauern der St. Markus Kirche.
Die Ausstellung weckte sogar die Geschichte des Baus: Die Kirche war bis ins 19. Jahrhundert hinein Sitz der Steinmetzschule. Das zahlreich erschienene Publikum ging nach dem Umtrunk am von den Schülern erstellten Buffet jedenfalls mit einem neuen Verständnis für Erinnerungen nach Hause.
„Wir sind als Verein landesweit für alle Betroffenen von Demenzerkrankungen und deren Angehörigen da, doch wir möchten wie hier in Laas auch anderswo den Kontakt pflegen“, sagte Asaa-Präsident Ulrich Seitz.

Im Treibsand

Der Verein Alzheimer Südtirol Alto Adige ASAA begeht heuer sein 20. Bestandsjahr, und zu diesem Anlass soll ein einmaliges Projekt in Gang gesetzt werden: Ein Theaterstück, basierend auf dem Erfahrungsbericht von Edith Moroder (derzeit ASAA-Vizepräsidentin), der unter dem Titel „Im Treibsand. Leben mit Demenz“ im Jahr 2006 im Athesia-Verlag veröffentlicht wurde.

Der verlorene Schlüssel

Zu sehen am 12. Juni um 19.30 Uhr an der LBS Luis Zuegg in Meran. Inspiriert von den Arbeiten der Meisterklasse für Steinmetze Laas haben die Schülerinnen der Fachschule für Schönheitspflege Meran unter der künstlerischen Leitung von Eva Kuen eine multimediale Aufführung entwickelt.

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