Im Treibsand

Das ASAA-Theaterprojekt

Was Demenz bewirkt

„Sie ist meine Mutter, aber sie weiß es nicht mehr“. Mit dieser Aussage nach der ersten Szene steigt das Kammerstück mitten in das Thema ein. Es geht um Demenz und um das, was diese Krankheit mit und aus den Betroffenen macht – und wie sich dabei auch das Leben der pflegenden Angehörigen verändert. Schonungslos wie die Buchvorlage, Edith Moroders Erfahrungsbericht „Im Treibsand. Leben mit Demenz“ (Athesia, 2006) schildert auch dieses Erzähltheater eine Entwicklung, die sich über Jahre hinzieht und an Dramatik, sogar an Peinlichkeiten, nichts einspart. Drei Frauen – Mutter, Tochter, Enkelin – zusammengespannt im gemeinsamen Haushalt, verkörpern drei verschiedene Blickwinkel. Denn die Bühnenfassung von Brigitte Knapp, die in enger Zusammenarbeit mit der Autorin entstand, hat auf die drei Rollen aufgeteilt, was im Buch erwartungsgemäß in der ersten Person dargestellt wird. Regisseur Christian Mair hatte nach einem Stück gesucht, das die Krankheit und ihre Auswirkungen auf alle Betroffenen, also auch auf das Umfeld, schildert; der neue Text wurde in intensiver Probenarbeit gemeinsam mit der Dramaturgin Friederike Wrobel und den Schauspielerinnen umgesetzt. Liz Marmsoler verkörpert die kranke Mutter und führt beispielhaft vor, wie Unsicherheit, Verwirrung und Desorientierung ihre Persönlichkeit verändern; zusätzlich reflektiert sie in Monologen, was sie nur denken, aber nicht mehr formulieren kann. Eine fabelhafte Leistung, die das Publikum auch entsprechend honorierte. Ihre zwischen Liebe und Verpflichtung schwankende Tochter spielt Patrizia Pfeifer, die klassische „Sandwich“-Figur der Zwischengeneration, hin- und hergerissen und immer deutlicher an der Grenze ihrer Belastbarkeit – ebenfalls ständig reflektierend, wenn sich die Nerven gegen besseres Wissen durchsetzen und die Schuldgefühle überhand nehmen. Erstmals in einer so anspruchsvollen Rolle ist die junge Elisa Pirone zu sehen, die als distanzierter beobachtende Enkelin eine dritte Perspektive ins Stück einbringt und ihre Sache gekonnt und locker angeht. Die schlichte, aber funktionelle Ausstattung der jungen Bühnenbildnerin Mirjam Falkensteiner schafft mit wenig Mitteln sowohl intime häusliche Atmosphäre als auch Offenheit ins Allgemeine, und der langsame Abbau der Requisiten verweist auf das „Loslassen“ im Untertitel, auf das Ablegen all dessen, was Beiwerk war. Auch die zarte musikalische Begleitung durch die Stimme von Barbara Zanetti, die zugleich als Projektion vorbeizieht, symbolisiert dieses langsame Abschiednehmen. Die VBB, die das Kammerstück in Koproduktion mit dem Verein Alzheimer Südtirol Alto Adige zu dessen 20.Bestandsjahr als Uraufführung herausbringen, unterstützen damit seine Bemühung um ein offenes Gespräch über die Krankheit und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. „Reden wir darüber!“ lautet das ASAA-Motto für 2019, das damit hoffentlich einiges an Diskussion in Gang setzt. Dass das Thema in dieser „Verpackung“ ankommt, beweist die Tatsache, dass für Sonntagnachmittag eine Zusatzvorstellung eingeschoben werden musste. (ehm)

Für dieses Projekt haben sich bereits der Regisseur Christian Mair und die Schauspielerin und Dramaturgin Brigitte Knapp interessiert, um durch eine Bühnenfassung mehr und andere Bevölkerungsschichten, nicht zuletzt die Jugend, zu erreichen. Geplant ist ein Kammerstück mit Mutter-Tochter-Enkelin-Besetzung, wofür schon die Schauspielerinnen Patrizia Pfeifer, Liz Marmsoler und Elisa Pirone gewonnen wurden; die musikalische Begleitung übernimmt die Liedermacherin Barbara Zanetti, die Ausstattung Mirjam Falkensteiner. Brigitte Knapp besorgt die Adaptierung und möchte die Perspektiven mit einer Auswahl an Dialogen und Monologen herausarbeiten; alle drei Figuren sind für sich mit dem schmerzlichen Thema „Loslassen“ beschäftigt.

Die VBB-Intendantin Irene Girkinger hat bei einem Sondierungsgespräch sofort die Koproduktion der Vereinigten Bühnen Bozen zugesagt; die Termine sind bereits fixiert.

Ab 7. 10. wird im Proberaum in der Roenstraße geprobt, ab 5. November auf der Probebühne im Stadttheater, 7.Stock: 10. und 12. Haupt- bzw.  Generalprobe, Uraufführungspremiere dort (Probebühne 7.Stock) am 13. 11.; weitere Aufführungen 14.-17.11. Das Projekt scheint auch im neuen VBB-Spielzeitheft 2019-20 auf.

Die bisher angedachten etwa 12 Aufführungen sollten ab Jänner in den  Städtetheatern des Landes wieder aufgenommen werden (Altstadttheater Meran, Dekadenz Brixen, Stadttheater oder UFO Bruneck); auch Schulvorstellungen könnte man einplanen, um auch junge Menschen auf diesem Wege über die Thematik zu informieren und dafür zu sensibilisieren, was erfahrungsgemäß sehr gut ankommt, evtl. auch mit Einführungen durch Impulsreferate. Für diese Zielgruppe könnte ASAA auch eine Infomappe erstellen.

Der verlorene Schlüssel

Zu sehen am 12. Juni um 19.30 Uhr an der LBS Luis Zuegg in Meran. Inspiriert von den Arbeiten der Meisterklasse für Steinmetze Laas haben die Schülerinnen der Fachschule für Schönheitspflege Meran unter der künstlerischen Leitung von Eva Kuen eine multimediale Aufführung entwickelt.

Projekt „Zeichen setzen“

In Zusammenarbeit mit der Berufsschule Schlanders unter Direktorin Virginia Maria Tanzer und dem Künstler Benno Simma haben wir von der ASAA ein Kunstprojekt gestartet. Die Meisterklasse für Steinbearbeitung der Fachschule Laas arbeitet aktuell an Erinnerungswerken: Die Themen wurden aus Gesprächen mit älteren Laasern erhoben, die den Studenten Erinnerungen an einschneidende Erfahrungen aus ihrem Leben erzählt haben.

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