Demenzbetreuung: neue Angebote für hilfesuchende Familien

Experten behandeln wichtige Themen

von links nach rechts: Facharzt Adolf Putz, vorne Edith Moroder, Luise Prossliner und Monika Untermarzoner vom ASAA Vorstand, sowie hinten Ulrich Seitz, Präsident ASAA

Aus der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 07.01.2026

Neue Angebote für hilfesuchende Familien in der Demenzbetreuung

Ein überaus arbeitsintensives Jahr mit Tausenden von ehramtlich geleisteten Stunden im Verein Alzheimer Südtirol ASAA neigt sich dem Ende zu. Die konkreten Hilfestellungen für Südtirols Familien, die daheim Angehörige mit Demenz pflegen, sehen im Rahmen des Vorhabens “Sollievo-Miteinander”, vorrangig Screenings zur Abklärung von Verdachtsfällen auf Alzheimer sowie Hausbesuche von erfahrenen Therapeutinnen vor, die Entspannung in den schwierigen Pflegeprozess bringen sollen, vor. Gleichzeitig wird ab 2026 unter dem Titel “dare luce – Licht geben” neu ein Augenmerk auf Bewegungstherapie gelegt, welche über den Verein ASAA angefordert werden können. ASAA-Präsident Ulrich Seitz hofft, dass wir somit voll ins Schwarze treffen, und Pflegenden Angehörigen noch besser zur Seite stehen können, nicht nur für die Erkrankten, sondern ebenso für die “Caregivers” zuhause, die oft unter schwierigsten Voraussetzungen, ein 24 Stunden-Pensum garantieren müssen. Weiterhin aktuell sind ebenso die rechtlichen Beratungen im Hinblick auf die mögliche Rückvergütung von Altersheimspesen für Demenzkranke, die eine intensive medizinische Behandlung benötigen. Interessierte erhalten über info@asaa.it oder die Grüne Nummer 800660561 alle Auskünfte dazu.

In den letzten Wochen wurde, so Seitz eine von der Bevölkerung sehr gut mitgetragene Veranstaltungsreihe unter dem Titel “Mensch sein – Mensch bleiben” lanciert. Dabei wurden bisher folgende Thematiken mit Expertinnen und Fachleute aufgegriffen: Schmerztherapien/Lebensende, Sturzgefahren bei Demenz und Patientenverfügung.

In der Schmerztherapie am Lebensende sind sehr oft medizinische Maßnahmen zur Schmerzlinderung wie Medikamente (Opioide, Steroide) und strahlen- oder chemotherapeutische Behandlungen sinnvoll, so Facharzt Franz Ploner. Ebenso wichtig sind aber die psychologische und soziale Unterstützung, wie Gespräche über existenzielle Themen und die Einbeziehung der Angehörigen, um die Lebensqualität zu verbessern. Ganz konkret sind es die achtsamkeitsbasierten Techniken und die Stärkung sozialer Kontakte, die helfen, den Fokus vom Schmerz abzulenken und die psychische Widerstandskraft zu erhöhen. Krankenschwester und Buchautorin Sabine Foraboschi betont, dass Gespräche über den Lebensrückblick, den Sinn des Lebens oder den Glauben helfen, Schmerzen in einen größeren Kontext zu stellen. Die Einbindung von Angehörigen ist und bleibt grundlegend, denn somit können Ängste abgebaut werden, was ebenfalls zur Schmerzlinderung beiträgt.

von links nach rechts: Hausärztin Doris Gatter und Ulrich Seitz, Präsident ASAA

Hausärztin Doris Gatterer erinnert hingegen, dass Menschen mit Demenz ein bis zu 20-fach erhöhtes Sturzrisiko aufweisen, da kognitive Einbußen (Fehleinschätzung von Gefahren, Gangunsicherheit) und körperliche Symptome (Gleichgewichtsstörungen, Muskelschwäche) zusammenwirken, oft verstärkt durch Medikamente und eine sturzfördernde Umgebung. Um das Risiko zu senken, sind eine angepasste Wohnumgebung (weniger Stolperfallen, Nachtlichter), gezielte Übungen (Kraft/Balance) sowie eine Überprüfung der Medikation und regelmäßige Seh-/Hörkontrollen wichtig, um schwerwiegende Folgen wie Hüftfrakturen zu verhindern.

Der Facharzt Adolf Putz unterstreicht bei seinen Ausführungen, dassMenschliches Leben inzwischen auch in äußerst prekären Situationen Aufrecht erhalten werden kann, in denen es fraglich ist, ob die Lebensverlängerung überhaupt im Interesse der betroffenen Patienten oder Patientinnen ist. Zudem kann oft durch intensivmedizinische Maßnahmen am Lebensende lediglich der Sterbeprozess kurzfristig verzögert werden. Daher müssen wir uns entscheiden, auf welche der verfügbaren medizinischen Möglichkeiten wir im Einzelfall effektiv zurückgreifen wollen. Da Menschen in modernen Gesellschaften körperliche und geistige Einschränkungen unterschiedlich bewerten, sollte die betroffene Person nach Möglichkeit selbst für sich entscheiden, ob die lebenserhaltenden Maßnahmen fortgesetzt werden sollen oder nicht, weist der Fachmann hin.

Ein überaus arbeitsintensives Jahr mit Tausenden von ehramtlich geleisteten Stunden im Verein Alzheimer Südtirol ASAA neigt sich dem Ende zu.

 

>> Hier den Beitrag von Südtirol News vom 6.1.2026

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