3. Auflage des Kurses von Pflegenden in Demenzfällen

 

Vor Kurzem wurde die 3. Auflage des Vertiefungskurses im Hinblick auf die Beziehung von Pflegenden zu betroffenen Demenzkranken nach intensiven Monaten des gemeinsamen Lernens in Bozen abgeschlossen.

Corona-Bedingt, musste der im Jänner 2020 gestartete Kurs für pflegende Angehörige und ausländische Hilfskräfte, der auf Anregung bzw. aktiver Initiative der Alzheimervereinigung Südtirol in enger Abstimmung mit der Weiterbildungseinrichtung „Cedocs“ äußerst professionell durchgeführt wurde, unterbrochen werden, um nun nach dem „Lockdown“ mit viel positiver Energie, wieder fortgesetzt zu werden.

Das Beeindruckende in den letzten 3 Jahren ist, so der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol, dass es gelungen ist, rund 80 Personen zu schulen, die nun viel mehr von der heimtückischen Pathologie wissen, und Konkretes im Pflegealltag umsetzen zu können. Sie sind zu besonders aufmerksamen Expertinnen in der Alltagsbetreuung herangewachsen.

Die meisten Familien in Südtirol entschließen sich bewusst dafür, die pflegebedürftigen Angehörigen zunächst selbst zu pflegen. Doch die wenigsten Angehörigen sind gelernte Pfleger oder Krankenschwestern. Um den Pflegealltag leichter bewältigen zu können und auch eine gewisse Sicherheit zu erlangen, bieten Kurse wie jener der ASAA den Angehörigen wichtige Basisinformationen für die häusliche Pflege. Die meisten Familienmitglieder können zwar bei hauswirtschaftlichen Angelegenheiten wie beim Putzen, Kochen oder Einkaufen helfen, da sie aber über kein Fachwissen in der Pflege verfügen, besteht oft die Angst, etwas falsch zu machen.

Im Bild: einige der 20 TeilnehmerInnen des Kurses für Pflegende von Demenzfällen, in Anwesenheit von ASAA-Präsident Ulrich Seitz (der vorletzte auf der rechten Seite)

Schwerpunkte der abwechslungsreiche Vorträge, die von Fachleuten aus den verschiedensten Sparten gehalten wurden, waren in der Ausgabe 2020:
Informationen zur richtigen Ernährung im Alter. So ist zum Beispiel Mangelernährung ein großes Problem bei älteren und pflegebedürftigen Menschen. Aber auch das Basiswissen über die Mobilisation der Pflegebedürftigen stand ebenso im Fokus wie spezifische Anweisungen zum gelenk- und rückenschonenden Heben und Tragen. Aspekte wie Anleitungen zu Pflegehandgriffen, mit dem praktischen Beispiel das Waschen im Bett, gehörten zu den Inhalten wie die Erklärung zum richtigen Umgang mit Medikamenten, Nicht zu vergessen ist schließlich die Ideenfindung für die Alltagsgestaltung, mit Möglichkeiten der Entlastung in der Pflege Zuhause. Sehr interessiert zeigten sich die großteils weiblichen Teilnehmerinnen an rechtlichen Fragestellungen, wie die Haftung oder den Versicherungsschutz. Arbeitssicherheit und Covid-19 haben sich zudem zwangsläufig zu brisanten Thematiken entwickelt, die Eingang in die Stellungnahmen der Vortragenden fanden. Ulrich Seitz ist von der Notwendigkeit dieser Schulungsvorhaben überzeugt. Aus den Berichten der Pflegenden, die in den letzten Monaten fast vollkommen mit den kranken Menschen allein gestellt waren, geht in aufrüttelnder Art und Weise hervor, dass Belastungen und Stress in der Betreuung und Pflege eines Menschen mit einer demenziellen Erkrankung wie zum Beispiel Alzheimer auf keinen Fall unterschätzt werden dürfen.  Der individuelle Verlauf und die unterschiedlichen Phasen einer demenziellen Erkrankung erfordern jeweils unterschiedliche Zugänge. Daher ist für die Betreuenden und Pflegenden wichtig, sich Informationen zu holen um flexibel auf die Veränderungen reagieren zu können. Was gestern funktioniert hat, gelingt heute vielleicht weniger. Um im stetigen Kontakt zu bleiben, bedarf es immer wieder neuer Versuche und unterschiedlicher Angebote um ins Gespräch zu kommen und in Beziehung zu bleiben, denn Stress führt zu Entzündungen und in der Folge können unter anderem Krebserkrankungen oder Depressionen auftreten. Dem entgegen zu wirken ist dem Verein ASAA ein großes Anliegen. Durch die Nutzung der Angebote des Vereins, durch den Besuch der Selbsthilfegruppen, durch Einzelberatungen und Informationen können Betreuende und Pflegende lernen auf sich zu achten, Grenzen zu setzen, die Veränderungen als Teil der Erkrankung zu sehen, Entlastungsangebote anzunehmen und damit Belastungen und Stress zu reduzieren. Was sich immer wieder in beeindruckender Manier zeigt, ist, dass sich die Belastungen massiv durch die körperlich anstrengende Pflege, die Ungewissheit, Schmerz und Trauer sowie die soziale Isolation aus Scham ergeben. Des Weiteren sind es oft Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen der Betroffenen, die eingeschränkte Kommunikation, der Rollenwechsel, der dauerhafte Verzicht und Einschränkungen, welche bedrückenden Schuldgefühlen und Spannungen innerhalb der Familie führen. Nicht unterschätzt werden darf, dass schwerwiegende Verhaltensveränderungen durch die Erkrankung auftreten können. In diesem Zusammenhang sprechen wir von  Aggressionen, Rückzug und Interessensverlust,  Herumwandern, einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus, dem ständigen Suchen, Fragen und Wiederholen, Wahn und Halluzinationen.

Die Alzheimervereinigung „predigt“ aus diesem Grunde schon seit vielen Jahren, dass die Angehörigen und die Pflegenden, bereits von Beginn an die Betreuung und Pflege so aufteilen sollten, damit Hilfe und Entlastung effektiv angenommen werden können.