Im Bild von links nach rechts: Unternehmer Alex Podini, Schirmherr des Kurses, Ulrich Seitz, ASAA-Präsident und Franco Gaggia von CEDOCS.

Ein von Unternehmer Alex Podini angeregtes, für Südtirol völlig neues Projekt hat vor Kurzem seinen erfreulichen Abschluss gefunden. Es war effektiv die Familie Podini, die sich an die Alzheimervereinigung Südtirol gewandt hat, mit dem Vorschlag einen spezifischen Weiterbildungskurs für ausländische Hilfskräfte und einheimische Familien, die in der täglichen Pflege von Menschen mit Demenzerkrankungen involviert sind, ins Leben zu rufen. Das Experiment ist vollauf geglückt und wurde nun mit dem letzten Modul zur Überwindung von architektonischen Barrieren zuhause, abgeschlossen. 15 Teilnehmerinnen haben fleißig alle Einheiten besucht, und sich äußerst aktiv mit ihren Erfahrungen eingebracht.

Die meisten Familien entschließen sich bewusst dafür, die pflegebedürftigen Angehörigen zunächst selbst zu pflegen. Doch die wenigsten Angehörigen sind gelernte Pfleger oder Krankenschwestern. Um den Pflegealltag leichter bewältigen zu können und auch eine gewisse Sicherheit zu erlangen, haben sich die Alzheimervereinigung Südtirol und die  Vereinigung CEDOCS erstmalig in enger Kooperation dazu entschlossen,  in Südtirol einen Kurs in 14 Einheiten für pflegende Angehörige von Demenzkranken, über insgesamt 6 Wochen, zu organisieren. Die abwechslungsreichen Informationsnachmittage mit hoch motivierten Referenten waren auch an ausländische Hilfskräfte (im Volksmund oft als „badanti“ bezeichnet), gerichtet und ein voller Erfolg. Ulrich Seitz, der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol ist sehr glücklich über den Erfolg des Vertiefungskurses für die Stärkung der Beziehungen zu Menschen, die an Demenz leiden. Es hat sich wieder gezeigt, dass die meisten pflegenden Angehörigen und Hilfskräfte zwar bei hauswirtschaftlichen Angelegenheiten wie beim Putzen, Kochen oder Einkaufen gut helfen können,  aber über nur geringes Fachwissen in der Pflege von Demenzkranken verfügen, und somit oft die Angst vorherrscht etwas falsch zu machen, so Seitz.

„Unsere Mission besteht darin, bestmögliche Information über die Erkrankung Demenz bzw. dem veränderten Verhalten des Erkrankten zu vermitteln, um diese Situation ernsthaft annehmen zu können – so wie sie ist – und sie zu einem wertschätzenden Umgang zu begleiten“. Die ausschließlich weiblichen Teilnehmerinnen am Kurs konnten durch erfahrene Referenten aus unterschiedlichen Berufsgruppen mehr über das Krankheitsbild, die Phasen der Erkrankung, Symptome und Verlauf erfahren,  sowie in praktischen Übungen Ursachen und Risikofaktoren identifizieren. Darüber hinaus wurden zahlreiche rechtliche Aspekte bei der Pflege Demenzkranker diskutiert und arbeits-, straf- und zivilrechtliche Probleme beleuchtet. Auch sehr delikate Fragestellungen wie die Folgen von Gewalt in der Pflege oder Übergriffe durch Pflegende wie auch von Seiten der Betreuten, kamen mit Juristen und Betroffenen zur Sprache. Zudem wurde über die Patientenverfügung, die aufgezeigt, Leistungen der Pflegesicherung sowie der Sachwalterschaft gründlich beleuchtet. In weiteren Sitzungen reflektierte man über die jeweiligen Situationen, dabei wurden ebenso verschiedene Entlastungsangebote vermittelt. Umgang und Kommunikation mit Demenzkranken gehört zu den zentralen Themen. Es hat sich beim Kurs einmal mehr gezeigt, dass bei der Kommunikation mit Demenzkranken das vorrangige Ziel, darin bestehen muss, eine gute Beziehung aufrecht zu erhalten. Die Pflegenden können den Kranken zeigen, dass sie für ihn da sind, ihm das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben. Ein besonderes Highlight stellte in der Fortbildung die Präsentation von praktischen Tipps zur Freizeitgestaltung der älteren Personen mittels kreativem Malen, Spielen verschiedener Art und motorischen Übungen, in der Logo- aber auch in der Ergotherapie, dar. Seitz betont, dass hierfür im öffentlichen Gesundheitsdienst kaum Platz besteht und keine zufriedenstellenden Angebote bestehen, was sehr bedauerlich ist. Diesbezüglich hinken wir beispielsweise massiv unseren Nachbarn im Trentino und in Tirol nach, unterstreicht Präsident Seitz. Auch aus diesem Grunde wird bereits jetzt intensiv an einer Neuauflage dieser Initiative für 2019 gearbeitet.

Etwas was der Alzheimervereinigung Südtirol zusehends Sorge bereitet, sind die Fälle von jungen Menschen, die an Demenz erkranken. Die Vereinigung steht mit einigen Personen zwischen dem 30 . und 59. Lebensjahr in Kontakt.

Ein Zeitpunkt im Leben,  zu dem diese heimtückische Erkrankung den Betroffenen und ihren Angehörigen den Alltag besonders schwer macht. Die Symptome fallen bei Jüngeren häufig früh auf – doch die Diagnose gestaltet sich langwierig. Zunächst fällt es zum Beispiel schwerer, sich im Job durchzusetzen, man ist unaufmerksam oder hat Schwierigkeiten sich zu orientieren. Weitere Anzeichen sind Antriebslosigkeit,  Mühe bei Routineaufgaben oder der Wortfindung. Häufig werden die Symptome erst einem Burn-out oder einer Depression zugeschrieben. Bis die Diagnose «Demenzerkrankung» im Raum steht, können Monate vergehen. Doch erst dann kann sich die Familie mit den Folgen beschäftigen. Denn erkrankt zum Beispiel der Hauptverdiener früh, steht die Familie vor massiven finanziellen Problemen.