Ein Teil des ASAA Vorstands (v.l.): Helmuth Ohnewein, Edith Moroder, Ulrich Seitz, Simonetta Nadin mit Soziallandesrätin Waltraud Deeg (2.v.r.)

 

Wenn ein älterer Angehöriger allmählich an Autonomie verliert, ist die Verwaltung seines Vermögens eine der intensivsten Sorgen der Familie: Wie geht man mit diesem heiklen Thema um, wen kann man um erste Informationen und Beratung bitten, welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung?

Um Kindern und Betreuern zu helfen, Antworten auf diese Fragen zu finden und sie bei der schwierigen Aufgabe zu unterstützen, sich um alle Bedürfnisse ihrer Eltern zu kümmern, planen wir als Alzheimervereinigung Südtirol eine Reihe von gezielten Treffen und spezifischen Konferenzen, um die Gesellschaft zu informieren und zu sensibilisieren, betont der Präsident der ASAA, Ulrich Seitz. Er erinnert auch daran, dass es in Südtirol mehr als 20.000 Kinder und Angehörige gibt, die sich um nicht-selbständige Verwandte kümmern, die nicht mehr in der Lage sind, für sich selbst und damit auch für ihr Vermögen zu sorgen. Beginnen wir mit den schwersten Fällen: der Elternteil, der behindert ist, an Alzheimer oder Demenz leidet oder bettlägerig ist. Was können Sie tun, wenn Sie Handlungen und Dokumente nicht unterschreiben können?

Dr. Michele Piccolin und Dr. Alice Panicciari, die beiden Experten der Alzheimervereinigung Südtirol, verfolgen seit langem sehr wichtige Themen für unseren Verein. Das sind zum einen das Screening und zum anderen die psychologische Betreuung, unterstreicht Seitz.

Michele Piccolin arbeitet als Psychologe, spezialisiert auf forensische Neuropsychologie, während Alice Panicciari als Psychologin in der Beurteilung, Beratung und psychologischen Unterstützung von Familien mit emotionalen und Verhaltensschwierigkeiten engagiert ist.

Am 19.04.2021 ist von 15:00 bis 16:30 Uhr ein Nachmittag voller aktueller Inhalte mit anschließender Veranstaltung via Zoom-Videokonferenz geplant:

  • „Die Fähigkeit, im Alter über sein Vermögen zu verfügen: mögliche Bedrohungen erkennen und sich durch einen aktiven Geist schützen“ und
  • „Intervention zur kognitiven Stimulation und emotionalen Unterstützung“.Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, sich auf jeden Fall unter info@asaa.it anzumelden, um die notwendigen Informationen zur kostenlosen Teilnahme an der geplanten Veranstaltung zu erhalten.

 

Aus der Zeitschrift „Dolomiten“ vom 12.04.2021

Aus der Zeitschrift „Dolomiten“ vom 31.03.2021

 

Der in seinem Amt als ehrenamtlicher Referent für Menschen mit Beeinträchtigung in der Stadt Bozen wiederbestätigte Ulrich Seitz erläutert zu Beginn seines neuen Mandats die Herausforderungen, die in der Landeshauptstadt anstehe. Ausgangspunkt ist die Anzahl der in der Stadt Bozen ansässigen Personen mit einer Invalidität, sprich fortwährenden, dauerhaften Beeinträchtigung. Diese, steigt jährlich (rund um 8 Prozent). In Daten ausgedrückt sind dies aktuell 7860 Menschen, davon 3300 unter 60 Jahren, und 980 Personen mit einer Invalidität von 100% mit Begleitzulage.

Nun hat sich die Lage in der Gemeinde Bozen zugespitzt. Vor allem konnten hunderte vulnerable Menschen im Arbeitsleben nicht ausreichend während des Lohnausgleichs abgesichert werden. Es fehlen auch entsprechende Alternativen wie Fortbildungen für diese Kategorie von Arbeitnehmern.

Als alarmierend wertet Ulrich Seitz die Armutsrate bei Menschen mit Behinderung. Mit 32,4 Prozent sind in Bozen Männer mit Beeinträchtigungen beispielsweise mehr als doppelt so häufig von  Armut  betroffen wie jene ohne Handicaps.

Wir haben zahlreiche Fälle in der Stadt Bozen, wo wir erleben, dass Eltern im Alter von über 70 Jahren, die selbst Risikogruppen darstellen, die Betreuung und teils auch Pflege ihrer erwachsenen Kinder schultern müssen. Das ist ein untragbarer Zustand, wo wir gemeinsam mit den involvierten Stellen, eine Lösung finden müssen, betont Seitz.

Bei vielen jüngeren Familien, die in der Pflege involviert sind, zeigt sich in diesen Wochen der Unmut, dass es keine Sicherheit bzw. Abstimmung der Dienste gibt, wann genau die „Caregivers“ einen Impfstoff erhalten, was eigentlich unverzichtbar für die Ausführung ihrer Tätigkeiten ist. In Bozen sind es rund 820 Personen.

Seitz hat schließlich den Bürgermeister gebeten, verstärkte Kontrollen im Stadtzentrum anzuordnen, um Pöbeleien auf Menschen mit einer Behinderung einzudämmen. Diese belastende Tatsache gesellt sich zur eh schon schwierigen Ausganglage mit Corona ecc. Ich bekomme leider immer öfters besorgniserregende Rückmeldungen von Menschen, die körperlich beeinträchtigt sind, und Angst vor Übergriffen bzw. Kleinkriminalität verspüren, unterstreicht der Referent. Die Scham, solche Vorfälle publik zu machen, ist sehr groß, gerade dann, wenn es sich um Betrügereien handelt, wo die Hilflosigkeit benachteiligter Gruppen ausgenutzt wird.

Ein Angebot zum Austausch in der Gruppe hilft gegen die Isolation

 

Aus der Zeitschrift „Dolomiten” vom 26.03.2021

Viele Angehörige von Menschen mit Demenz fühlen sich derzeit isoliert und alleine gelassen. Sämtliche Probleme fallen dadurch noch stärker ins Gewicht.

Die Kontrollvisiten werden immer wieder verschoben; Besuche sind schwierig bis unmöglich, auch Kontakte mit Freunden und Verwandten sind nicht leicht zu organisieren. Aufgrund seiner vielen Telefonkontakte mit pflegenden Angehörigen, die sich bei ihm beklagen, stellt Präsident Seitz fest: „Das Fehlen von Leistungsangeboten bei der Tagesbetreuung und in der Kurzzeitpflege wird immer belastender für rund 8.000 betroffene Familien in ganz Südtirol. Also ist dringender Handlungsbedarf geboten.“ Gelegenheit zum Gespräch bieten nur die technischen Hilfsmittel, was immerhin als großer Vorteil gegenüber früheren Zeiten einzuschätzen wäre – aber den persönlichen Kontakt jedenfalls nicht ersetzen kann.

In dieser kritischen Zeit wollen die Koordinatorinnen des Vereins Alzheimer Südtirol Alto Adige ASAA dennoch eine Möglichkeit zum Austausch in der Gruppe bieten. Ein Anfangsversuch ist bereits gemacht worden und erfolgreich verlaufen. Deshalb soll nun für die deutschsprachige Gruppe in Bozen, die sich vor den Lockdown-Perioden gewöhnlich am letzten Montag im Monat getroffen hat, dieses Angebot auf der Zoom-Plattform wiederholt werden. Das hat den Vorteil, dass alle Interessent/innen sich bequem von zu Hause aus beteiligen können, also auch von außerhalb. Allerdings ist eine Internet-Verbindung Voraussetzung; auch ist es erforderlich, sich rechtzeitig bei der Mailadresse info@asaa.it vorzumerken, um den Zugangslink zu bekommen.

Vorgesehen ist das Online-Treffen für den Montag, 29. März, 17:00 bis 19:00 Uhr.

Es wäre schön, wenn der Kontakt wenigstens auf diese Weise wieder zustande kommen könnte. (ehm)

 

Handlungsappel – Cannabis Social Club

Programm Tagung – Cannabis Social Club

Cannabis medica, appello ai politici: si deve fare di più

 

Zeitungsartikel aus der „Zett“ vom 13. Dezember 2020

Hier das Dokument zum Herunterladen

 

Zeitungsartikel aus der „Dolomiten“ vom 14. Dezember 2020

Hier das Dokument zum Herunterladen

Zeitungsartikel aus der „Dolomiten“ vom 17. Dezember 2020

Hier das Dokument zum Herunterladen

 

Nicht nur während eines Lockdown müssen Tausende von Familien im Lande bei der Pflege daheim über sich hinaus wachsen

 

Die Alzheimervereinigung Südtirol ASAA teilt aufgrund der sich erneut erheblich zugespitzten Situation rund um die Eindämmung des Corona-Virus und der damit zusammenhängenden wiederholten Reduzierung/Überlastung vieler Dienste im öffentlichen Bereich, mit, dass das Sorgentelefon weiterhin über die Grüne Nummer der Vereinigung 800660561, täglich von 7 Uhr bis 22 Uhr (auch am Wochenende) aktiv sein wird. Zudem finden die Selbsthilfegruppen unter absoluten Sicherheitsvorkehrungen sowie sämtliche individuelle Beratungen bzw. Fallbesprechungen weiterhin statt. Gerade jetzt ist es unabdingbar, dass sich Familien mit ihren Sorgen an kompetente Ansprechpartner, die selbst Erfahrungen in ihrem Umfeld mit den Auswirkungen von neurodegenerativen Störungsbildern gemacht haben, ohne komplizierten Zugang, zeitnah wenden können. „Wenn Sie also einen nahen Angehörigen mit Demenz betreuen, und gerade jetzt besonders an Ihre Grenzen stoßen, melden Sie sich für Tipps und mögliche Hilfestellungen“, so Präsident Ulrich Seitz.

Zur aktuellen Situation sei folgendes vermerkt: die Welt Gesundheit Organisation setzt immer öfters auf nicht nur kausal wirksame medikamentöse Therapien, sondern spricht im ‚Globalen Aktionsplan Demenz 2017-2025‘ von der Vision einer Welt, in der…“Demenzerkrankungen vorgebeugt werden können und Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ausreichend Fürsorge und Unterstützung erhalten, um ihr Leben so selbstbestimmt, respektvoll, würdevoll und gleichberechtigt wie möglich gestalten zu können.“ Zur Krankheitsbewältigung und Unterstützung jenseits der medikamentösen Begleittherapie sowie Symptomkontrolle gehören demnach Programme und Schulungen für Menschen mit demenziellen Erkrankungen. Und hier setzt die Selbsthilfe in unserem Verein mit gezielten Aktionen, so Seitz, verstärkt an.

 

Im Bild: Ulrich Seitz und Sigrid Gregori (Teilnehmerin an den Fortbildungen von ASAA)

Wichtige, bevorstehende Termine für Interessierte sind auch die 2 Online-Konferenzen mittels Zoom zu den Thematiken „der kognitive Verfall durch die Krankheit – Gehirn-training um den Verlust der Eigenständigkeit zu verlieren“ am 24. November 2020 von 17 bis 18 Uhr und „Lebensstile: Geistes- und Gehirntraining in verschiedenen Lebensphasen“, am 1.Dezember 2020, immer zwischen 17 und 18 Uhr. Referent ist der bekannte Psychologe, Neuropsychologe und über die Landesgrenzen hinaus bekannte Dozent der Humanwissenschaften an der Universität von Mailand“, Prof.  Giuseppe Iannoccari aus Mailand.

Belastungen und Stress in der Betreuung und Pflege eines Menschen mit einer demenziellen Erkrankung wie zum Beispiel Alzheimer dürfen laut neuesten Studienergebnissen, gerade jetzt in der Corona-Zeit, keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden.

Dem immensen Stress-Faktor in der Pflege daheim entgegen zu wirken ist dem Verein ASAA ein großes Anliegen. Durch die Nutzung der Angebote des Vereins, durch den Besuch der Selbsthilfegruppen, durch Einzelberatungen und Informationen können Betreuende und Pflegende lernen auf sich zu achten, Grenzen zu setzen, die Veränderungen als Teil der Erkrankung zu sehen, Entlastungsangebote anzunehmen und damit Belastungen und Stress zu reduzieren. Wir müssen definitiv Alarm schlagen, vor allem weil wir beobachten, wie durch die Corona-Pandemie bereits seit dem Frühjahr 2020, Tausende von Südtiroler, nicht mehr angemessen behandelt werden können. Immer öfters gibt es Probleme mit Therapieplänen, die nicht mehr regelmäßig monitoriert oder fachärztliche Leistungen, die verschoben werden. Die Ursachen hierfür liegen laut ASAA nicht nur in der Pandemie. Schon im Jänner 2020 verzeichneten wir nämlich Höchstwartezeiten für geriatrische und neurologische Erstvisiten an den Südtiroler Krankenhäusern, die weit über dem vom Staat definierten vorgegebenen Standard lagen, erinnert Ulrich Seitz. Für die Angehörigen und die Pflegenden ist es in Hinblick auf die eigene Gesundheit wichtig, von Beginn an die Betreuung und Pflege aufzuteilen, Hilfe und Entlastung anzunehmen wie z.B. durch Tagesstätten oder stundenweiser Betreuung und für das eigene seelische Wohlbefinden in Gesprächsgruppen der Selbsthilfe oder durch psychotherapeutische Begleitung zu sorgen.

Der Alzheimervereinigung Südtirol ist es ein Anliegen, die vielen Südtiroler Familien, die in der Pflege involviert sind, trotz der Vielfalt der Symptome und Veränderungen, dahingehend zu informieren, dass es durchaus gute Möglichkeiten gibt, um Spannungen im familiären Kontext zu unterbinden. Einige hilfreiche Beispiele, die wie angesprochen in Zeiten, wo nichts mehr so ist, wie einmal, sind Situationen, die wie folgt zusammengefasst werden können:

  • Häufig treten Veränderungen in der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit auf. Dies macht es den Betroffenen schwer, einem Gespräch zu folgen und erfordert daher von den betreuenden oder pflegenden Personen ein Anpassen zur besseren Verständigung. Sprechen Sie langsam und sagen Sie kurze, einfache und klare Sätze und warten Sie die Reaktion oder Antwort ab!
  • Die Wahrnehmung kann sich im Alter und bei einer demenziellen Erkrankung, aber auch durch Medikamente verändern. Hörbeeinträchtigungen und Sehstörungen können die Kommunikation erschweren. Sätze im Vorbeigehen, von oben herab oder von Hinten gesprochen erreichen die Betroffenen oft nicht.
  • Das Denken verlangsamt sich und macht es den Betroffenen schwer, alles richtig zu verarbeiten. Wenn der Inhalt einer Botschaft nicht verstanden wird, werden die mitschwingenden Gefühle wahrgenommen. Stress überträgt sich leicht auf Menschen mit Demenz, was die Gedächtnisleistung zusätzlich beeinträchtigt.
  • Demenzielle Erkrankungen können auch die Kontrolle über die eigenen Gefühle verändern. Fehleinschätzungen führen zu Kränkungen bzw. Wut oder Aggressionen über die nachlassende Gedächtnisleistung und die damit verbundene Fehlerhäufigkeit und können an den nächsten Personen ausgelassen werden.
  • Auch wenn kognitive Einbußen die Persönlichkeit verändern, so bleibt sie oder er eine Person mit Würde und ist daher respektvoll und wertschätzend zu behandeln. Dazu gehört vor allem nicht auf die Fehler aufmerksam zu machen, die veränderte Wahrnehmung und Realität anzuerkennen und nicht auf der eigenen Realität zu bestehen.
  • Gedächtniseinschränkungen beschämen und stellen das bisher gekannte Leben der Betroffenen auf den Kopf. Kein Mensch mit Demenz kann sich besser erinnern, bloß weil er oder sie auf das schlechte Gedächtnis hingewiesen werden. Im Gegenteil: Wenn Selbstverständliches und Alltägliches weniger gelingt, verursacht dies starke Selbstzweifel und Scham. Das führt zu Rückzug und Vermeiden von Situationen, in denen häufig Fehler passieren. Finden Sie so oft wie möglich etwas, was sie loben können. Geben Sie ehrliche Anerkennung für gegenwärtige oder Leistungen von Früher.
  • Die Tagesverfassung spielt eine große Rolle, wie Menschen mit Demenz erreicht werden können und reagieren. Es gibt immer einen Grund, warum sich Verhalten oder Gedächtnisleistungen ändert. Schlechter Schlaf, Durchblutungsstörungen, Vergiftungen, Nährstoff- oder Sauerstoffmangel, beginnende Infektionen, zu wenig Flüssigkeit und Schmerzen können jeweils die Gedächtnisleistung verändern und verschlechtern.