Hier kann mann die Rede in der Südtirol Klartext-Sendung vom 13.10.2021 ansehen und anhören

Aus der web-Seite Sdf – Mein Fernsehen in Südtirol

Ein bedrückendes Bild: Pflegende von Demenzkranken leiden überdurchschnittlich unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie

Rund 2 Drittel der Pflegenden Angehörigen, mit denen wir im Kontakt stehen, betont Ulrich Seitz. Präsident der Südtiroler Alzheimervereinigung berichten uns, dass sich ihr Gesundheitszustand im Vergleich zu 2019 verschlechtert hat. Rund 60 Prozent der 350 Befragten geben an, dass die Belastung durch die Pflege deutlich gestiegen ist. Ein Drittel bewertet die eigene Lebensqualität als nicht zufriedenstellend, vor der Corona-Pandemie waren es nur rund 10 Prozent. Das sind besorgniserregende Daten, unterstreicht Seitz, gerade in einem Bereich, wo es seit rund 18 Monaten kaum Chancen auf genügend Heimplätze oder Kurzzeitpflege bzw. Entspannungsangebote für die rund 10.500 betroffenen Südtiroler Familien gibt. Seitz: das was mich zusehends traurig stimmt, ist, dass sich ein Trend abzeichnet, der sich bedrohlich zuspitzt: immer öfters werden auch jüngere Menschen, die sich um pflegebedürftige An- und Zugehörige kümmern, überdurchschnittlich häufig krank. Die Belastung durch die Pflege daheim ist in Südtirol massiv gestiegen. Für 75% Prozent unserer Mitglieder, so der ASAA Präsident ist sie seit 2020 zeitlich aufwändiger geworden. Dies erklärt sich vor allem damit, dass professionelle Hilfe durch die Öffentlichen Dienste über Monate weggefallen ist und auch nur wieder schleppend anläuft. Des Weiteren haben Hunderte von ausländischen Hilfskräften das Land verlassen und sind nicht wiedergekommen. Auffällig ist auch die Bewertung der eigenen Lebensqualität: Ein Drittel nennt diese schlecht. Eine riesige Baustelle bleibt die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Sie ist unter Corona-Bedingungen noch komplizierter geworden. Fast drei Viertel der Befragten sagen, dass sie damit mehr Probleme als vor der Pandemie haben. Neu dazu gesellen sich unmissverständlich finanzielle Sorgen aufgrund der unberechenbaren wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Lage. Und schließlich: die Vereinsamung pflegender Angehöriger hat durch die Maßnahmen sozialer Distanz zugenommen. Gut jeder zweite Befragte ist einsam. Ebenso bei der wahrgenommenen Wertschätzung ist eine Verschlechterung erkennbar. Auch wenn der überwiegende Teil der Befragten die Maßnahmen des Infektionsschutzes befürworten, fühlen sie sich in ihrer Rolle als Pflegende nicht ausreichend von den öffentlichen Gesundheits- und Sozialdiensten wahrgenommen. Pflegende Angehörige bekamen weder zusätzliches Geld noch Applaus. Ganz im Gegenteil: viele müssen noch immer mit erheblichen Verzögerungen bei der Pflegeeinstufung, bei Rekursen und vor allem bei programmierten fachärztlichen Leistungen rechnen. Die ASAA reagiert nun mit verschiedenen Angeboten: Screenings, Validation und Kinästhetik-Kurse für Pflegende, Hausbesuche, praktische Tipps für die Krankenpflege, Rechtsberatung zu Vermögen, Betriebsübergabe, Pflegeeinstufung und Sachwalterschaft, Musik- und Kunsttherapie, Fortbildungen für Familien und ausländische Hilfskräfte.

Alle Infos unter der Grünen Nummer 800660561 oder www.alzheimer.bz.it

 

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Aus der Zeitschrift „Dolomiten“ vom 28.10.2021

 

„Sie istmeineMutter, aber…“

WIEDERAUFNAHME: „ImTreibsand – Loslassen“ – Studie fürs Theater von EdithMoroder und Brigitte Knapp bei den Vereinigten Bühnen Bozen

BOZEN. Aus dem überaus aktuellen Buch „Im Treibsand“ von Edith Moroder wurde ein beeindruckendes Theaterstück, das von Brigitte Knapp zu einer ansprechenden und lebendigen Bühnenfassung ausgearbeitet und vom Regisseur Christian Mair im Auftrag der Vereinigten Bühnen Bozen auf die Bühne gebracht wurde.

In dieser Fassung mit erweitertem Titel „Im Treibsand-Loslassen“ ist das Stückwiederaufgenommen worden und spielt alle möglichen Nuancen einer an Alzheimer erkrankten Mutter in ihrer Beziehung zu ihrer Tochter und ihrer Enkelin aus. Dass dieses Theaterstück solch einprägsame Bilder erzeugt, ist nicht nur Verdienst der Buchvorlage von Edith Moroder, die ein heutemehr als aktuelles und unter den Fingern brennendes Thema aufnimmt und in einem chronologisch aufgearbeiteten Leidensweg seziert, sondern auch des Regisseurs und seiner Schauspielerinnen, die mit ihrem Können in ihren Rollen zu Protagonistinnen feiner und feinster psychologischer Verwerfungen und Enthüllungen werden.

„Sie istmeineMutter, aber sie weiß es nichtmehr“, sagt zu Beginn des eineinhalb Stunden dauernde Theaterstücks die Tochter resigniert. Patrizia Pfeifer entrollt in meisterhaft pointierter Art und Weise die Geschichte einer Mutter-Tochter Beziehung, die von der fortschreitenden Demenz derMutter geprägt ist. Die Mutter gibt Liz Marmsoler, nicht weniger differenziert in all ihrem Spiel von Licht und Schatten in den wenigen luziden und vielen verirrten Momenten ihres Daseins.

Sie gibt die Unsicherheit, Verwirrung und Desorientierung ihrer zunehmend wirrer werdenden Persönlichkeit überzeugend wieder, ohne in gewisse Stereotype von Mitleid zu verfallen.

In Moroders und Knapps Stück geht es um Demenz und auch darum, was diese Krankheit mit den Betroffenen und mit uns macht. Denn die Krankheit, und dies wissen alle, die davon direkt und indirekt betroffen sind, verändert das Leben der Familienangehörigen und, darüber hinaus“ auch die Beziehung mit Freunden und guten Bekannten. Die Erzählung beginnt in diesem Stück eigentlichmit einemärztlichen Befund, der schonungslos enthüllt, was mit der Mutter los ist: Alzheimer. Und dann setzt eine Entwicklung ein, die sich über mehr als 6 Jahre hinzieht und dem Publikum an Dramatik und Realitätsbezug wenig ausspart. Auch Laura Masten, die die Enkelin gibt, fügt sich kongenial in den fast durchgehenden Dialog zwischen Mutter und Tochter ein, teils distanziert beobachtend teils mitdenkend und mitfühlend. Für die Ausstattung und Bühneneinrichtung ist Mirjam Falkensteiner zuständig. Sie schafft dabei eine intime häusliche Atmosphäre. Am Ende wird dieMutter in ein Langzeitpflegeheim eingeliefert und es beginnt das „Loslassen“, das nicht zuletzt durch den Abbau der Requisiten auch visuell auf der Bühne vollzogen wird. Das Stück „ImTreibsand Loslassen“ fügt sich als Theaterarbeit ein in einen sehr aktuellen Diskurs über unseren Umgang mit Krankheit und mit dem Älterwerden allgemein. Ein zutiefst sozialkritisches Stück, das etwa zu thematisch ähnlich gearteten Beispielen wie Peter Turrinis Stück „Gemeinsam ist Alzheimer schön“ in eine motivische Beziehung tritt. ©

# Termine:  29. und 30.10., 20 Uhr, 31.10., 18 Uhr,

Proberaum 7. Stock, Stadttheater Bozen – Stückeinführung:

 

Von Ferruccio Delle Cave

Aus der Zeitschrift „Dolomiten“ vom 25.10.2021

 

Aus der Zeitschrift „Dolomiten“ vom 5.10.2021

Die Praxis orientierte Pflege, wird immer wichtiger, so der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol Ulrich Seitz, der von besorgniserregenden Trends in der häuslichen Pflege in Südtirol spricht. Noch nie haben nämlich so viele Südtiroler wie derzeit daheim Menschen mit offensichtlichen kognitiven Einschränkungen betreut und noch nie erhielten wir so viele Hilferufe aufgrund völliger Überforderung.

Nur schon bei den Demenzkranken sind davon rund 10.500 Südtiroler Haushalte betroffen, denn 75% aller Fälle werden über Jahre, durchschnittlich 5-8, daheim versorgt. Und bei weitem nicht alle haben gemäß Beurteilung der zuständigen Stellen Anrecht auf die Pflegeeinstufung. Viele der so genannten „Caregivers“ haben demnach den Spießrutenlauf mit den Behörden aufgegeben und versuchen mit eigenen Kräften ihre Situation zu meistern. Dabei werden wir, so Seitz mit oftmals sehr krassen Beispielen landesweit konfrontiert, wo sich bald herausstellt, dass die Pflegenden dringend im praktischen Umgang mit einem Familienmitglied gestärkt werden müssen. Und da setzt nun die Alzheimervereinigung ab sofort mit einem intensiven, niederschwellig und leicht zugänglichen Angebot von Beratungen an.

 

Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol Ulrich Seitz

Betreuungsarbeit zu Hause ist nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie anspruchsvoll und vor allem für den familiären Kontext anstrengend geworden. Die Pflegeden Angehörigen müssen aus diesem Grunde besonders ihre eigene Bewegungskompetenz besser nutzen, um die Kranken in ihrer Nähe in deren Bewegungskompetenz zu fördern. Dies führt ebenso dazu, dass pflegende Angehörige bei ihrer Tätigkeit gezielter auf ihre eigene Gesundheit achten und pflegebedürftige Angehörige größere Eigenaktivität, Mobilität und Selbstständigkeit entwickeln können. Dadurch profitieren alle Beteiligten gleichermaßen von einer verbesserten Lebensqualität.

Die Inhalte unserer Beratungen in diesem Zusammenhang ziele darauf hin, sensibel auf physische Tätigkeiten bei sich selbst, dem Umgang mit Gewicht, oder der Nutzung von Hilfsmitteln Zwei Werkzeuge bieten sich spezifisch diesbezüglich an, und zwar die Kinästhetik, die als Lehre der Bewegungsempfindung gilt sowie die Validation, die sich zu einer effizienten  Kommunikationstechnik, im Umgang mit dementiell erkrankten Menschen gemausert hat. Sie soll das Wohlbefinden und die Autonomie des Dementen durch das Normalitätsprinzip fördern d.h. die subjektive Wirklichkeit des Gegenübers wird so angenommen, wie sie vorherrscht.

Einschreibungen und Informationen zur zitierten Selbsthilfe mittles Kinästhetik und Validation über info@asaa.it oder die Grüne Nummer 800660561.

 

Mit Cannabis mehr Lebensqualität für Alzheimer-Patienten

Herr Dr. Roberto Pittini hat diesen Infoblatt für  den Alzheimertag zusammengestellt.