Wir müssen darüber reden!

Danke Südtirol 1 für die Auszeichnung und die Wertschätzung.

http://www.suedtirol1.it/beitrag/suedtiroler-des-tages-alzheimervereinigung-suedtirol/ref/1741/

Immer mehr ältere Personen leiden bei uns hier an Demenz oder Alzheimer. Doch oft fehlt das Wissen darüber. Dafür setzt sich die Alzheimervereinigung Südtirol (ASAA) ein und vor kurzem ist der dritte Fortbildungskurs gestartet.

Doch nicht nur Pflegepersonal kommt bei den Kursen, auch die Angehörigen wollen informiert sein und den Betroffenen weiterhelfen. Die ASAA schafft es also immer mehr Leute mit dem Thema Demenz zu konfrontieren und wenn jemand Hilfe braucht, sind sie als Verein immer erreichbar. Und das alles machen sie freiwillig. Dafür küren wir sie heute zu unseren Südtirolern des Tages.

Liebe Mitglieder und Freunde, 
nach diversen Anfragen und nach Absprache mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb geben wir Euch und Euren Familien folgende Verhaltensratschläge:

  • wascht Euch häufig die Hände
  • haltet mindestens 1 Meter Abstand von anderen
  • vermeidet Menschenansammlungen und volle Räume (Kirche, Theater, Kino, Versammlungen, öff. Verkehrsmittel)

In der Anlage findet Ihr auch die 10 Regeln, die das Gesundheitsministerium herausgegeben hat.

10-Punkte-Katalog zum Herunterladen

Im Moment gibt es keine unmittelbare Gefahr!
Sollte es neue Vorschriften seitens der Regierung geben, werden wir informiert.

Menschen mit Demenz und ihre Krankheiten besser verstehen

Bericht im Psairer Heftl der Februar Ausgabe 2020

Große Freude:
ASAA erstmals mit unserer Vizepräsidentin Edith Moroder im Netzwerk der deutschsprachigen Alzheimer Gesellschaften und Selbsthilfeorganisationen vertreten in Wien am 16.1.2020 im Gmoakeller.

Artikel in der Tageszeitung Dolomiten vom 30. Jänner 2020

Danke für den Artikel in der Tageszeitung Dolomiten vom 16.11.2019

Organe in allen Lebensphasen können sehr wichtig sein

Fachleute referieren

Danke für den Artikel in der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 25. Oktober 2019

Danke für den Artikel in der „Südtiroler Tageszeitung“ vom 26. Oktober 2019

Hier der Artikel zum Herunterladen

Vor Kurzem organisierte die Alzheimer Vereinigung Südtirol einen spannenden Infonachmittag zu einer äußerst aktuellen Thematik. Es ging um „Gewalt an Senioren“. (Folgt)


Im Bild von links nach rechts: ASAA Präsident Ulrich Seitz, Referentin Paola Taufer

Zu Gast in Bozen war dabei die bekannte Psychologin, Journalistin und Vertreterin der Chancengleichheit, Paola Taufer aus Trient. Sie setzt sich seit Jahren engagiert mit der Problematik von Gewaltsituation im Alter auseinander und hat bereits sehr viele Artikel dazu veröffentlicht. Wie sie betont, reden die meisten älteren Menschen nicht über die ihnen gegenüber angewendete Gewalt. Insbesondere ältere Frauen sind oft emotional und ökonomisch abhängig, haben immer noch geschlechtsspezifische Rollenbilder, glauben, dass „niemand etwas unternehmen kann“, und schämen sich über ihre Opferrolle. Gewalthandlungen an älteren Menschen dürfen jedoch keine „normalen“, „alltäglichen“ und „üblichen“ Vorkommnisse sein, so unterstreicht Ulrich Seitz, der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol, der immer wieder mit Fällen konfrontiert wird, wo es sich zeigt, dass sich die Beziehung zwischen älteren Menschen und Betreuungspersonen als extrem schwierig bzw. angespannt gestaltet. Nicht zu vergessen ist ebenso, dass auch Betreuungspersonen Gewalt ausgesetzt sein können. Diese sind oftmals durch strukturelle Rahmenbedingungen, gegenseitige Abhängigkeiten, widersprüchliche Erwartungen usw. verursacht. Damit ältere Menschen und Betreuungspersonen, die Gewalt erleiden, mit ihren vielfältigen Problemen gehört werden und fachkundige Unterstützung erhalten, setzt sich nun verstärkt die Alzheimervereinigung Südtirol ein und möchte mithelfen, dass die zuständigen Dienste schneller in konkreten Fällen intervenieren können. Die ASAA appelliert an Menschen, die selbst Gewalt erfahren, für Personen, die Gewalthandlungen an älteren Menschen beobachten, aber auch für Betreuungspersonen, die befürchten, bei der Betreuung und Pflege selbst Gewalt anzuwenden, sich ja nicht zu verstecken, sondern an die Öffentlichkeit zu treten. International vergleichbare Daten zu Misshandlungen älterer Menschen sind kaum vorhanden, sodass ein Begreifen der Dimension des Problems und eine Überwachung der Entwicklung erschwert werden. Vor allem aber stellt Misshandlung nach wie vor ein absolutes Tabu-Thema, die aus Angst, ein Familienmitglied bloßzustellen, keine Unterstützung zu erhalten oder gegen ihren Willen in ein Heim gebracht zu werden, stumm bleiben. Die Aufdeckung von Misshandlungen von Menschen mit eingeschränkten oder reduzierten Fähigkeiten, wie Alzheimer- oder anderen Demenzpatienten/-patientinnen, ist umso schwieriger, da diese Menschen ihre Hilfsbedürftigkeit nicht ausdrücken können, berichtet Ulrich Seitz. Die Referentin der gut besuchten Info-Veranstaltung strich hervor, dass die Dunkelziffer von Misshandlungsfällen auch in Ländern mit Meldepflicht vermutlich sehr hoch sind. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge liegt die Zahl der nicht gemeldeten Misshandlungsfälle bei bis zu 80 % (WHO-Bericht 2016). Aus den vorliegenden Erkenntnissen, so Taufer muss man davon ausgehen, dass schätzungsweise rund 4 Millionen Senioren in Europa Gewalt erfahren.

Misshandlungen in den Heimen sorgen in den Medien für Schlagzeilen, erinnert Paola Taufer. Doch an die Öffentlichkeit dringen nur wenige Fälle. In den Heimen ist jedoch immer noch jemand da, der etwas sieht. Aber zu Hause geschehen viele Misshandlungen unbemerkt, sagt die Expertin. Gewalt an Betagten kann viele Formen annehmen, so schildert sie. Denken wir beispielsweise an:

• Psychische Gewalt: Beschimpfungen, Drohungen
• Physische Gewalt: Rütteln, Schlagen, Anbinden.
• Finanzielle Gewalt: Geld unterschlagen, einen Vertrag zum Nachteil des Betagten unterschreiben lassen.
• Vernachlässigung: Medizinische Hilfe untersagen, nicht bei der Hygiene helfen.

Angehörige sind oft überfordert: Viele dieser Handlungen passieren nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Überforderung. Das hat Paola Taufer in mehreren Untersuchungen festgestellt. Häufig ist es der Ehemann, der mit der dementen Ehefrau nicht mehr weiter weiß. Oder es ist die Tochter, die den Vater ans Bett bindet, während sie zur Arbeit muss. Ulrich Seitz hebt hervor, dass viele zu spät Hilfe holen. Zahlreiche Betreuungspersonen schlittern in eine Situation hinein. Sie sind sich gar nicht bewusst, was das an Zeit und Kraft kostet. Und dass es immer schlimmer wird. Deshalb ist es grundlegend, dass Angehörige früh genug über die Probleme reden und sich unbedingt Hilfe holen. Und etwas ist ebenso klar: es bringt vielfach nichts, von Tätern und Opfer zu reden, denn sowohl die Betagten als auch ihre Betreuungspersonen leiden unter der Situation. Die Alzheimervereinigung Südtirol fordert weiterhin in enger Zusammenarbeit mit allen involvierten Diensten im Gesundheits- und Sozialbereich, an Strategien zu arbeiten, die darauf abzielen, Menschen für die unterschiedlichen Kontexte, in denen sich Gewaltepisoden ereignen können, und somit für das Verhindern von Missbrauch zu sensibilisieren. Freiwillige sollten ebenso dazu in der Lage sein, Misshandlungen als solche zu erkennen, mit den Rechten älterer Menschen vertraut zu sein und wissen, an wen sie sich für Unterstützung wenden können.

GEDÄCHTNIS BRAUCHT EMOTIONEN

Im Bild von links nach rechts: Martina Spitaler, Karin Hofer von der Anlaufstelle im Sprengel Wipptal, Referent Dr. Roland Keim vom Psychologischen Dienst im Gesundheitsbezirk Brixen, Ulrich Seitz und Luise Prossliner von der Alzheimervereinigung Südtirol

Vor Kurzem startete eine gemeinsame Infokampagne der Anlaufstelle für Pflege und Betreuung im Sozial- und Gesundheitssprengel Wipptal und der Alzheimervereinigung Südtirol ASAA, mit einem spannenden Vortrag des Direktors des Psychologischen Dienstes im Gesundheitsbezirk Brixen, Roland Keim, der zu „Demenz, eine unausweichliche Erkrankung“ referierte.  Martina Spitaler und Karin Hofer von der genannten Anlaufstelle begrüßten die zahlreichen Anwesenden und Ulrich Seitz, Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol ASSA erläuterte das Leistungsspektrum mit den Angeboten der Selbsthilfe betreffend die Unterstützung von Demenzkranken sowie deren Familien im Lande, und hier besonders auch im Wipptal.  Die Zunahme der Demenzerkrankungen erklärt sich durch die weltweit gestiegene Lebenserwartung. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Demenz auftritt. Von den 55-Jährigen ist nur jeder Hundertste betroffen, von den 75-Jährigen dagegen fast jeder Sechste, und von den über 85-Jährigen sogar nahezu jeder Zweite. In Südtirol leiden rund 13.000.- Menschen an einer Form von Demenz, im Eisacktal/Wipptal sind es derzeit laut Schätzungen der zuständigen nationalen Behörden rund 1.000.- Personen. Die Mehrzahl der Neuerkrankungen tritt ca. ab dem 65. Lebensjahr auf. Neuere epidemiologische Studien zeigen, dass die Präventionsprogramme der vergangenen Jahre – vor allem jene, die auf Herzgesundheit oder ebenso Verhaltensstörungen gerichtet sind – Früchte tragen und zu einem zaghaften Rückgang der Neuerkrankungen führen. Hier setzt die verstärkte Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Demenz an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), so Referent Roland Keim, definiert das demenzielle Syndrom als Folge einer chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns, das eine Reihe von schwerwiegenden Folgen hat: eine Demenz führt zu Störungen von Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen. Die Symptome müssen dabei über mindestens 6 Monate bestehen, so die Experten. Es kommt auch zu Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation. Dr. Keim betont, dass viel zu oft Menschen mit Demenz gar nicht behandelt bzw. nicht adäquaten Medikamenten, versorgt werden und betont in diesem Sinne auch Studien. Große internationale Krankenkassen sprechen in diesem Zusammenhang immer öfters „flächendeckenden Fehlversorgung“. Und hier setzt Ulrich Seitz an. Er erinnert, dass die Alzheimer Vereinigung Südtirol in ihrer ehrenamtlichen Arbeit dazu beiträgt, dass Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und professionell Pflegenden mehr Wissen sowie mehr praktische Unterstützung bei der Prävention von Demenz und dem Umgang mit Demenz erhalten. Zur Zeit ist die ASAA fieberhaft damit beschäftigt, die Selbsthilfe im Eisacktal und Wipptal auf neue Sockel zu stellen. Wie in den anderen Landesteilen sollte in diesem Einzugsgebiet ebenso die Palette der verschiedensten Hilfestellungen für Betroffene greifen. Über die Grüne Nummer 800 660561 sind individuelle Ansprechpartner vermittelbar, um beispielsweise die Gefahr, dass Angehörige die Grenzen ihrer Belastbarkeit in der Pflege von Demenzkranken weit überschreiten, zu unterbinden, so Seitz.  Denn die Veränderungen, die eine Alzheimerdemenz auslöst, greift in alle Lebensbereiche ein und Angehörige stellen ihre eigenen Bedürfnisse häufig in den Hintergrund. Es zählt nur mehr das Wohlergehen des Erkrankten. Aus dieser Aufopferung resultiert meist eine seelische und körperliche Überforderung des pflegenden Angehörigen, die meist in totaler Erschöpfung und Resignation mündet, berichtet Roland Keim. Die Praxis zeigt, dass zum Thema „Entlastung für pflegende Angehörige“ daher nur ein einziger Satz wirklich zählt, so der ASAA Präsident: „Nur wenn es Ihnen als Pflegende gut geht, geht es auch dem Erkrankten den Umständen entsprechend gut!“

Angehörige sollten sich auf ihr demenzkrankes Familienmitglied einstellen – denn umgekehrt geht es nicht mehr. Sinnlos ist es beispielsweise, einen demenzkranken Menschen darauf hinzuweisen, dass man ihm eine Frage vor fünf Minuten schon einmal beantwortet hat. Vielmehr löst dies unter Umständen Aggressionen aus. Um eine Eskalation zu vermeiden, sollten betroffenen Pflegende geduldig auf diese Wiederholungen reagieren, auch wenn es schwerfällt. Wichtig ist auch zu verstehen, dass Demenzkranke Vergangenheit und Gegenwart durcheinanderbringen. Gutes Zureden und Argumente holen sie nicht aus ihrer Realität zurück. Vielmehr sollten sich die Gesunden auf diese Realität einlassen. Dazu gehört, die Äußerungen, Gefühle und das Verhalten der Kranken ernst zu nehmen. Zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört es, sich zu beschäftigen und in Kontakt mit Menschen zu treten. Demenzkranke im frühen Stadium fürchten aber oft, wegen ihrer Krankheit zu scheitern und von anderen nicht mehr ernst genommen zu werden. Spezielle Beratungen helfen, ihnen diese Furcht zu nehmen: in den Südtiroler Betreuungsgruppen treffen sich Menschen mit Demenz im frühen bis mittleren Stadium. Solche Gruppen kommen aber nicht nur den Kranken zugute. Sie gehören zu den Angeboten, die pflegende Angehörige für einige Stunden entlasten. Eine innovative Idee, die sich laut Ulrich Seitz, auch in Südtirol durchsetzen sollte, ist das Mehrgenerationenhaus, das aufbauend auf den Erfahrungen im Ausland Kindern, Berufstätigen und älteren Mitbürgern Raum für gemeinsame Aktivitäten sicherstellen sollte . Im Mittelpunkt sollte diesbezüglich unter anderem die professionelle Hilfe für Demenzkranke und ihre Angehörigen stehen. Fachkräfte beraten in diesem Zusammenhang Angehörige oder organisieren regelmäßige Gruppentreffen. Diese Modelle könnten demnach sehr wohl attraktiv für Südtiroler Strukturen außerhalb der Stadtgebiete sein.

 

Danke für den Artikel in der Tageszeitung Dolomiten vom 22. Oktober 2019

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