3. Auflage des Kurses von Pflegenden in Demenzfällen

 

Vor Kurzem wurde die 3. Auflage des Vertiefungskurses im Hinblick auf die Beziehung von Pflegenden zu betroffenen Demenzkranken nach intensiven Monaten des gemeinsamen Lernens in Bozen abgeschlossen.

Corona-Bedingt, musste der im Jänner 2020 gestartete Kurs für pflegende Angehörige und ausländische Hilfskräfte, der auf Anregung bzw. aktiver Initiative der Alzheimervereinigung Südtirol in enger Abstimmung mit der Weiterbildungseinrichtung „Cedocs“ äußerst professionell durchgeführt wurde, unterbrochen werden, um nun nach dem „Lockdown“ mit viel positiver Energie, wieder fortgesetzt zu werden.

Das Beeindruckende in den letzten 3 Jahren ist, so der Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol, dass es gelungen ist, rund 80 Personen zu schulen, die nun viel mehr von der heimtückischen Pathologie wissen, und Konkretes im Pflegealltag umsetzen zu können. Sie sind zu besonders aufmerksamen Expertinnen in der Alltagsbetreuung herangewachsen.

Die meisten Familien in Südtirol entschließen sich bewusst dafür, die pflegebedürftigen Angehörigen zunächst selbst zu pflegen. Doch die wenigsten Angehörigen sind gelernte Pfleger oder Krankenschwestern. Um den Pflegealltag leichter bewältigen zu können und auch eine gewisse Sicherheit zu erlangen, bieten Kurse wie jener der ASAA den Angehörigen wichtige Basisinformationen für die häusliche Pflege. Die meisten Familienmitglieder können zwar bei hauswirtschaftlichen Angelegenheiten wie beim Putzen, Kochen oder Einkaufen helfen, da sie aber über kein Fachwissen in der Pflege verfügen, besteht oft die Angst, etwas falsch zu machen.

Im Bild: einige der 20 TeilnehmerInnen des Kurses für Pflegende von Demenzfällen, in Anwesenheit von ASAA-Präsident Ulrich Seitz (der vorletzte auf der rechten Seite)

Schwerpunkte der abwechslungsreiche Vorträge, die von Fachleuten aus den verschiedensten Sparten gehalten wurden, waren in der Ausgabe 2020:
Informationen zur richtigen Ernährung im Alter. So ist zum Beispiel Mangelernährung ein großes Problem bei älteren und pflegebedürftigen Menschen. Aber auch das Basiswissen über die Mobilisation der Pflegebedürftigen stand ebenso im Fokus wie spezifische Anweisungen zum gelenk- und rückenschonenden Heben und Tragen. Aspekte wie Anleitungen zu Pflegehandgriffen, mit dem praktischen Beispiel das Waschen im Bett, gehörten zu den Inhalten wie die Erklärung zum richtigen Umgang mit Medikamenten, Nicht zu vergessen ist schließlich die Ideenfindung für die Alltagsgestaltung, mit Möglichkeiten der Entlastung in der Pflege Zuhause. Sehr interessiert zeigten sich die großteils weiblichen Teilnehmerinnen an rechtlichen Fragestellungen, wie die Haftung oder den Versicherungsschutz. Arbeitssicherheit und Covid-19 haben sich zudem zwangsläufig zu brisanten Thematiken entwickelt, die Eingang in die Stellungnahmen der Vortragenden fanden. Ulrich Seitz ist von der Notwendigkeit dieser Schulungsvorhaben überzeugt. Aus den Berichten der Pflegenden, die in den letzten Monaten fast vollkommen mit den kranken Menschen allein gestellt waren, geht in aufrüttelnder Art und Weise hervor, dass Belastungen und Stress in der Betreuung und Pflege eines Menschen mit einer demenziellen Erkrankung wie zum Beispiel Alzheimer auf keinen Fall unterschätzt werden dürfen.  Der individuelle Verlauf und die unterschiedlichen Phasen einer demenziellen Erkrankung erfordern jeweils unterschiedliche Zugänge. Daher ist für die Betreuenden und Pflegenden wichtig, sich Informationen zu holen um flexibel auf die Veränderungen reagieren zu können. Was gestern funktioniert hat, gelingt heute vielleicht weniger. Um im stetigen Kontakt zu bleiben, bedarf es immer wieder neuer Versuche und unterschiedlicher Angebote um ins Gespräch zu kommen und in Beziehung zu bleiben, denn Stress führt zu Entzündungen und in der Folge können unter anderem Krebserkrankungen oder Depressionen auftreten. Dem entgegen zu wirken ist dem Verein ASAA ein großes Anliegen. Durch die Nutzung der Angebote des Vereins, durch den Besuch der Selbsthilfegruppen, durch Einzelberatungen und Informationen können Betreuende und Pflegende lernen auf sich zu achten, Grenzen zu setzen, die Veränderungen als Teil der Erkrankung zu sehen, Entlastungsangebote anzunehmen und damit Belastungen und Stress zu reduzieren. Was sich immer wieder in beeindruckender Manier zeigt, ist, dass sich die Belastungen massiv durch die körperlich anstrengende Pflege, die Ungewissheit, Schmerz und Trauer sowie die soziale Isolation aus Scham ergeben. Des Weiteren sind es oft Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen der Betroffenen, die eingeschränkte Kommunikation, der Rollenwechsel, der dauerhafte Verzicht und Einschränkungen, welche bedrückenden Schuldgefühlen und Spannungen innerhalb der Familie führen. Nicht unterschätzt werden darf, dass schwerwiegende Verhaltensveränderungen durch die Erkrankung auftreten können. In diesem Zusammenhang sprechen wir von  Aggressionen, Rückzug und Interessensverlust,  Herumwandern, einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus, dem ständigen Suchen, Fragen und Wiederholen, Wahn und Halluzinationen.

Die Alzheimervereinigung „predigt“ aus diesem Grunde schon seit vielen Jahren, dass die Angehörigen und die Pflegenden, bereits von Beginn an die Betreuung und Pflege so aufteilen sollten, damit Hilfe und Entlastung effektiv angenommen werden können.

 

Ulrich Seitz, Präsident der Alzheimervereinigung Südtirol, schlägt Alarm: Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und für deren Familien ist der Alltag nach wie vor mit größten Schwierigkeiten verbunden.

Interview an Präsident Ulrich Seitz – „Südtiroler Frau“ Juliausgabe 2020

 

Sie haben während des Lockdowns persönlich am Nottelefon der Alzheimervereinigung geantwortet. Was waren die größten Sorgen der betroffenen Familien?

Ulrich Seitz: Die größten Sorgen waren die Hilflosigkeit sowie die Ungewissheit, wie es weitergehen wird. Ich hatte teilweise vor allem am Wochenende 30 Anrufe pro Tag aus dem ganzen Land. Vor allem betroffen haben mich die Schicksale von älteren Menschen, die einen kranken Partner bzw. eine demente Person daheim pflegen, und eben selbst mit erheblichen Einschränkungen leben müssen. Sehr traurig sind auch Situationen, wo Kinder oder engste Verwandte, die nicht in Südtirol leben, über Monate keinen Zugang zu ihren Eltern hatten. Was mich neben der klinischen Situation getroffen hat, sind ebenso Fälle von älteren, einsamen Menschen, die in der ersten Phase aus Verzweiflung heraus, Opfer von Neppern, Schleppern und Bauernfängern wurden. Fälle von Betrügereien also, die aus Scham kaum oder viel zu spät den zuständigen Behörden gemeldet werden. Und dann natürlich auch der Umstand, dass Menschen ihre langjährigen Bezugsmenschen in der Pflege, vor allem ausländische verloren haben, da diese schlagartig vor der Schließung der Grenzen in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Was belastet diese Menschen heute, also in der zweiten Phase der Pandemie?

Ulrich Seitz: Tageskliniken und Gruppenangebote fehlen, wo Angehörige die Menschen mit Demenz für kurze Zeit abgeben konnten und einen Moment Ruhe hatten, um durchzuatmen und neue Energie zu tanken. Noch einschneidender sind aber die Freiwilligen, die in spezifischen Angeboten wegfallen. Vor dem Lockdown haben Personen von einer Art Begleitdienst bzw. Vereinen den Partner/die Partnerin vielleicht zweimal in der Woche für einen Spaziergang oder eine gewisse Betreuung abgeben können. Viele dieser Dienste sind momentan auf Eis gelegt. Zudem sind im Ehrenamt unzählige Freiwillige pensioniert und gehören oftmals selbst zur Risikogruppe. Die größte Herausforderung ist deshalb dieses ständige Aufeinandersitzen.
Ist jemand sehr stark erkrankt, versteht er das Problem gar nicht. Ich habe aber vor allem mit Menschen zu tun, die zu Hause leben und noch nicht so stark betroffen sind. Ihre Angehörigen erzählen mir, sie müssten dieselben Fragen zum neuen Alltagablauf, beispielsweise, wenn es um Sicherheitsmaßnahmen geht, 100-mal am Tag beantworten.

Wie besorgniserregend ist ihre Situation?

Ulrich Seitz: Die Situation ist besorgniserregend. Mir erzählen ganz viele Angehörige, dass sie in den vergangenen Wochen irgendwann einmal ausgeflippt sind, die Tür geknallt oder ausgerufen haben. Wenn man gar nie Abstand voneinander hat, kann man schon einmal explodieren. Vor dem Lockdown konnten sie ihre Partner einen Moment allein zu Hause lassen und an die frische Luft gehen oder Freunde auf einen Kaffee treffen. Dieser Ausgleich und Austausch fehlen jetzt. Gewalt und Konflikte sind derzeit sicher ein größeres Thema. Weil dieses Verhalten mit sehr viel Scham besetzt ist, gehe ich von einer riesigen Dunkelziffer aus. Ich vermute, dieses Phänomen dringt erst an die Oberfläche, wenn sich die Situation um das Virus wirklich entspannt hat.

Wie viele Menschen leiden in Südtirol aktuell an Demenz? Wie viele davon werden zu Hause betreut?

Ulrich Seitz: Leider haben der Sanitätsbetrieb und die Landesabteilung Gesundheit noch immer nicht einen Landes-Demenzplan verabschiedet, so wie dies eigentlich im Landesgesundheitsplan 2017-2020, mit entsprechendem Beschluss der Landesregierung vorgesehen ist. Wir sind darüber als Alzheimervereinigung sehr enttäuscht. Deshalb mussten wir selbst eine Art „Beobachtungsstelle“ einrichten, und gehen von rund 13.000 Südtirolern aus, die von Demenz oder Demenz ähnlichen Pathologien betroffen. Rund 75-80% aller Betroffenen werden über Jahre zu Hause gepflegt. Die durchschnittliche Pflegezeit liegt zwischen 5-7 Jahren.

Wie geht es jenen Alzheimerpatienten, die in Seniorenheimen oder anderen Einrichtungen untergebracht sind?

Ulrich Seitz: Hier erlaube ich mir als ehrenamtlicher Präsident der Alzheimervereinigung und ebenso als Präsident des Seniorenwohnheims „Pilsenhof“ in Terlan, Stellung zu beziehen. Viele Betroffene sind völlig verwirrt und erschrocken. Hoch Betagte fühlen sich in die Kriegszeiten zurückversetzt. Sie sehen MitarbeiterInnen, die seit Monaten mit Masken und Schutzanzügen bekleidet sind und haben keinen Kontakt mit ihren Familien. Es ist äußerst belastend, da auch kaum fachärztliche Leistungen in Südtirol,

Ich zitiere Sie: Derzeit warten in Südtirol rund 4000 Menschen, die an Demenz leiden, auf einen Arzttermin. Eine dramatische Bilanz. Was muss hier passieren?

Ulrich Seitz: Bereits vor dem Lockdown mussten Frau und Mann in Südtirol auf eine geriatrische Erstvisite zwischen 6 und 8 Monate warten. Für uns ein untragbarer Zustand. Dazu kommt, dass die Demenz in Südtirol, eine Pathologie darstellt, die anscheinend hauptsächlich von Geriatern, von denen es zudem noch wenige gibt, versorgt werden. Die Ausnahmesituation in den letzten Monaten zeigt, dass es aber nun unnütz ist, Schuldzuweisungen vom Sanitätsbetrieb an die Seniorenwohnheime oder umgekehrt, zu machen, vielmehr besorgt es mich als Präsident der Alzheimervereinigung, dass es in Südtirol ein Ding der Unmöglichkeit scheint, dass Demenzkranke Abteilungsübergreifend behandelt werden. Es ist kein Zusammenspiel zwischen Geriatrie, Neurologie, Physische Rehabilitation, Psychologischer Dienst, Psychiatrie im Krankenhaus vorhanden, und in der Folge auch nicht mit den sozialen Trägern. Ein weiteres Problem besteht im Vormerksystem für Arztvisiten. Viele Personen sind seit Monaten für Arzttermine in der Liste, mit teils überholten Verschreibungen, nicht mehr überwachten Therapieplänen sowie zusätzlichen Schwierigkeiten, die weder der Allgemeinmedizin noch den Spezialisten, bekannt sind. Erstaunlich ist ebenso, dass es Menschen gelingt, sich für die ein und dieselbe Visite in mehreren öffentlichen Krankenhäusern vorzumerken. Das führt dann verständlich zu weiteren organisatorischen Problemen. Während die vertragsgebunden Privatmedizin in vielen anderen Bereichen einen gewissen Druck abnimmt, fehlt hierzu ein landesweites Konzept. Wir machen uns noch zudem große Sorgen, um den Ärztenachwuchs. Es sind uns kaum Südtiroler bekannt, die in den nächsten Jahren in die zitierten Fachgebiete mit Spezialisierung Demenzerkrankungen einsteigen. Ein immenses Ärgernis bleibt, dass programmierte Visiten immer wieder trotz klarer Vorgaben der Landesregierung nicht von den zuständigen Fachabteilungen vergeben werden, sondern immer wieder andere aufwändige, teils sinnlose Kanäle notwendig sind, was sehr schade ist.

Wie hat die Vereinigung auf die anhaltende Notlage reagiert?

Ulrich Seitz: Wir haben sehr intensiv in diesen Monaten an neuen Betreuungsangeboten gearbeitet. Ich möchte in diesem Zusammenhang erinnern, dass unsere Grüne Nummer nun seit März 7 Tage in der Woche jeweils von 7 Uhr bis 22 Uhr aktiv ist, auch weil wir unsere Bürotätigkeit einschränken mussten, und am Sitz erst wieder seit Kurzem Interessierte, begrüßen dürfen. Die Grüne Nummer ist jedoch die Garantie, dass uns kein Hilferuf entgeht und wir umgehend antworten können. Wichtig war für uns in der Vereinigung den psychologischen Betreuungsdienst, gerade für betroffene Familienangehörige auszubauen, die Corona-Pandemie unter dem Gesichtspunkt des Verlustes eines lieben Menschen und zudem Trauer zu thematisieren. Dazu gibt es spezifische Hilfestellungen. Ganz wichtig sind aber ebenso die Screenings, wo wir uns mit Fachleuten am Vereinssitz, komplizierte Verdachtsfälle anschauen, und überprüfen ob eine Demenz oder bipolare Störungsbilder vorliegen. Stolz sind wir schließlich darauf, dass wir nun endlich neben Bozen, Meran, Klausen, dem Vinschgau und Passeier, auch regelmäßige Beratungsdienste in Brixen sowie Sterzing gewährleisten können. Unsere Freiwilligen aus Klausen sind zudem Expertinnen in der Validation und können Hausbesuche vornehmen, was in besonderen Situationen eine große Erleichterung für Familien bedeuten kann. Herzensangelegenheiten bleiben die Schwerpunkte „Lebensqualität zu Hause“, wo wir Beratungen unterschiedlicher Natur ermöglichen oder des Weiteren die Weiterbildungen/Workshops für Pflegende und ausländische Hilfskräfte, die wir regelmäßig umsetzen.

Und worauf müssen die betroffenen Familien jetzt besonders achten?

Ulrich Seitz: Die Angehörigen sind dauernd hinter ihren Partnern her: «Du musst die Hände waschen!» Diese fragen dann verblüfft: «Wieso? Sie sind doch gar nicht schmutzig.» Viele verstehen auch nicht, wieso die Enkelin oder die Tochter nicht mehr zu Besuch kommt. Dieses Unverständnis führt oft auch zu Konflikten.
Deshalb folgende konkrete Tipps:
Die Phase 2 bringt nun verschiedene Änderungen mit sich, die das psychische Wohlbefinden und die Lebensqualität beeinträchtigen können, wenn sie nicht rasch und sorgfältig angegangen werden. Deshalb ist es wichtig, die älteren Menschen und ihre Angehörigen in dieser Phase der schrittweisen Öffnung zu unterstützen und sie bei der fortschreitenden Wiederaufnahme zu begleiten, um Befürchtungen und Ängste abzubauen.
Ältere Menschen sollten sich auf positive Themen konzentrieren können, die nicht mit den unangenehmen Ereignissen um den Virus zusammenhängen (wie die Zunahme der Ansteckungen, der Todesopfer usw.) und dabei unterstützt werden, zur alltäglichen Routine und zu den Interessen zurück zu finden, denen sie noch nachgehen können. Außerdem ist es von grundlegender Bedeutung, ihnen zu helfen, korrekte Verhaltensweisen zum Schutz der eigenen Gesundheit einzuhalten.
Zudem kann es nützlich sein, die Senioren zu Tätigkeiten anzuregen, die ihnen sonst immer mehr abhanden kämen; dazu ist ihnen entsprechende Zeit zu widmen, damit sie sich selbst nützlich und wichtig fühlen können.
Auch das Thema der Trauer und des Lebensendes verdient einen Hinweis, ein Anliegen, das die Senioren oft äußern und das gerade in dieser Zeit der Unsicherheit und Instabilität wieder auftauchen könnte. Ältere Menschen haben nämlich das Bedürfnis, von ihrer eigenen Auffassung vom Leben und seinem Ende zu sprechen, um dessen Ablauf aufzuarbeiten und den früheren oder vor kurzem erlebten Verlusten eine Bedeutung zu verleihen. Angehörigen kann es Schwierigkeiten bereiten, solche Themen mit den eigenen Lieben anzugehen, aber eine offene, dialogbereite, aufgeschlossene Haltung des Zuhörens kann ihnen dabei behilflich sein.

 

Für Notfälle
Alzheimervereinigung ASAA
Grüne Nummer 800 660 561

info@asaa.it
täglich 7 bis 22 Uhr

Hier die Aktualisierung und Ergänzung des Fachplanes für das landweite Rehabilitationsnetz

Neues Landesgesetz betreffend die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus SARS-COV-2 in der Phase der Wiederaufnahme der Tätigkeiten.

Hier zum Herunterladen: landesgesetz-massnahmen-zur-eindaemmung-der-verbreitung-des-virus-sars-cov-2-in-der-phase-der-wiederaufnahme-der-taetigkeiten

Die Neuigkeiten gemäß Gesetz

So kann man sich in der ganzen Region, in Südtirol und im Trentino, nun frei bewegen und es braucht keine Selbsterklärung mehr. In ein anderes Gebiet außerhalb der Region kann man sich nur aus Arbeits- und Gesundheitsgründen oder aufgrund absoluter Dringlichkeit begeben. Es gilt, einen Mindestabstand von zwei Metern zu anderen Menschen einzuhalten, außer zwischen zusammenlebenden Mitgliedern desselben Haushalts. Unter diesem Mindestabstand von zwei Metern gilt die Pflicht zum Tragen eines Schutzes der Atemwege. Diese Pflicht ist auch dort vorgesehen, wo Menschenansammlungen möglich sind oder wo die Möglichkeit besteht, andere Personen zu treffen, ohne den Abstand einhalten zu können, wie beispielsweise in Fußgängerzonen oder auf Bürgersteigen. An geschlossenen Orten, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, gilt ebenso die Verpflichtung, die Atemwege zu schützen und trotz dieses Schutzes einen Abstand von einem Meter einzuhalten. Von besonderer Bedeutung ist es, so oft wie möglich die Hände zu waschen. Es wird allen Bürgern empfohlen, Desinfektionsmittel für die Hände immer dabei zu haben und regelmäßig zu verwenden.

Sport im Freien ist wieder möglich

Sport im Freien zu treiben, ist wieder möglich, sofern es sich nicht um Mannschaftssport handelt, der Sicherheitsabstand von drei Metern zu anderen Personen und der Schutz der Atemwege gewährleistet sind. Die Nutzung von Umkleidekabinen ist untersagt.

Veranstaltungen sind Ausnahme

Veranstaltungen sind derzeit nicht zugelassen, aber der Landeshauptmann kann mit eigener Verordnung solche erlauben, wo es keinen Kontakt zwischen den Teilnehmern gibt, was zum Beispiel bei Auto-Kinos gewährleistet ist. Bei kirchlichen Veranstaltungen, wie Feiern von Messen, wird der Landeshauptmann ebenso mit Verordnung festlegen, unter welchen Bedingungen diese möglich sein werden.

Kinderbetreuung ab 18. Mai

Die Kinderbetreuung in Kitas, Kinderhorten und bei Tagesmüttern kann ab 18. Mai stufenweise wieder aufgenommen werden, wenngleich unter geänderten und strengeren Bedingungen. Diese gelten auch für die diesjährigen Projekte der Sommerbetreuung und für Spielgruppen, Elkis und andere Formen öffentlich geförderter Betreuungsangebote. Eine wesentliche Änderung ist die Reduzierung der Gruppengröße: Bei Gruppen mit Kindern unter sechs Jahren dürfen nur mehr vier Kinder betreut werden, bei Kindern über sechs Jahren sind es sechs Kinder oder Jugendliche. Die Gruppen sollen unverändert bleiben und Kontakte zu anderen Gruppen vermeiden. Vorzug bei der Teilnahme wird jenen Kindern gewährt, deren Eltern aus Berufs- oder anderen Gründen die Betreuung ihrer Kinder nicht selbst gewährleisten können. Wenn möglich sollten die Betreuungsangebote im Freien und immer am selben Ort stattfinden.

Dieselbe Gruppengröße (vier bei Kindern unter sechs Jahren, sechs bei Kindern über sechs Jahren) gilt auch für den Notdienst in Kindergarten und Grundschule, wo eine halbtägige Betreuung ohne Verpflegung angeboten wird. Weitere Details werden in einem eigenen Landesregierungsbeschluss demnächst festgelegt. Für Mittel- und Oberschüler ist kein Notdienst vorgesehen, dort wird bis Schulende der Fernunterricht fortgesetzt. Für Maturanten kann hingegen eine Lernberatung in der Schule für Gruppen von maximal sechs Schülern mit einem Mindestabstand von zwei Metern angeboten werden. Berufsschulen können Praktika, die für die berufliche Qualifikation vorgesehen sind, wieder organisieren.

Die 1/10-Regel

Damit eine zu hohe Personendichte in Räumen und auf Flächen vermieden wird, gilt für die wirtschaftlichen Tätigkeiten die sogenannte 1/10-Regel, wonach ein Verhältnis zwischen Fläche und höchstmöglicher Personenzahl definiert wird. Die Eigentümer oder Nutzer von Flächen sind verpflichtet sicherzustellen, dass rechnerisch pro Person zehn Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Erst dadurch wird gewährleistet, dass es keine Menschenansammlungen gibt und der Einzelne die Abstandsregel tatsächlich einhalten kann. Die 1/10-Regel kommt in der Gastronomie nicht zur Anwendung.

Einzelhandel

Alle Geschäfte und Handelsbetriebe können mit Inkrafttreten des Gesetzes ihre Arbeit wieder aufnehmen. Einweghandschuhe sind vor allem beim Lebensmittelver- und -einkauf vorgesehen. Kassenbereiche sind mit einer Schutzvorrichtung abzutrennen. Der Zugang zum Geschäft muss gestaffelt erfolgen. Die Öffnungszeiten können zu diesem Zweck bis maximal 22.00 Uhr verlängert werden. Mit Ausnahme für kleine Geschäfte bis zu 50 Quadratmeter gilt die 1/10-Regel. Dies bedeutet, dass im Handelsgeschäft nur ein Kunde je zehn Quadratmeter anwesend sein kann.

Gastronomie startet am 11. Mai neu

Mit 11. Mai kann auch die Gastronomie neu starten. In Restaurants und Bars dürfen sich nicht mehr Gäste aufhalten als es Sitzplätze gibt. Die Tische müssen so gereiht sein, dass ein Abstand zwischen den Personen von zwei Metern gewährleistet ist. In einem Haushalt zusammenlebende Personen sind von dieser Vorschrift ausgenommen. Der Abstand kann unterschritten werden, wenn geeignete Trennvorrichtungen zwischen den Personen installiert sind, um die Tröpfcheninfektion zu verhindern. Nur am Tisch kann auf das Tragen eines Schutzes der Atemwege verzichtet werden. Servierkräfte müssen Masken des Typs FFP2 verwenden. Die Desinfektion der Hände ist vor und nach der Benützung der Toilette verpflichtend.

Beherbergungsbetriebe

Bei Beherbergungsbetrieben gilt auf Gemeinschaftsflächen die 1/10-Regel, außer in den Speisesälen. Schwimmbäder dürfen öffnen, Hallenbäder und Saunen allerdings nicht – außer es handelt sich beim Betrieb um eine so genannte “Covid-Protected-Area”, wo alle Mitarbeiter und Gäste auf Covid-19 getestet werden. Wer sich am Buffet bedient, muss Mund und Nase bedecken.

Transportwesen

Im öffentlichen Nahverkehr kommen großteils die staatlichen Notstandsbestimmungen zum Tragen. Das neue Landesgesetz schreibt vor, dass 60 Prozent der üblichen Transportkapazität des Fahrzeugs nicht überschritten werden darf. An Bord und beim Ein- und Aussteigen gelten die Ein-Meter-Abstände. Fahrgäste dürfen nur ausgewiesene Plätze nutzen und müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ab 25. Mai können auch die Seilbahnen ihren Betrieb aufnehmen. Dabei dürfen nur zwei Drittel der Kapazität genutzt werden. Bei den Führerscheinprüfungen, die in den Autoschulen durchgeführt werden, müssen der Ein-Meter-Abstand eingehalten und Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Kultur lebt wieder auf

Auch das kulturelle Leben soll mit kommendem Montag teilweise wieder neu starten. Kulturelle und künstlerische Tätigkeiten im weitesten Sinn des Wortes, auch von Museen, Bibliotheken und Jugendzentren, sind ab 11. Mai wieder möglich, stets unter Wahrung der allgemeinen Regeln, wie das Tragen eines Gesichtsschutzes. Als kulturelle Tätigkeit gilt auch die Weiterbildung. Fortbildungen können nur auf Vormerkung geleistet werden. Dabei sind die tägliche Laser-Fiebermessung des Personals und eine Fiebermessung der Teilnehmenden zu Fortbildungsbeginn notwendig.

Sozialbereich bereitet sich auf Öffnung vor

Das Landesgesetz sieht zudem vor, dass die Sozialdienste ihre Dienste wieder anbieten können. Der entsprechende Öffnungsplan soll mit einem eigenen Landesregierungsbeschluss geregelt werden, der auch den zeitlichen Rahmen festlegt. Derzeit wird an einem Zeitplan zur Öffnung der Seniorenwohnheime gearbeitet, im Moment und für eine bestimmte Zeit sind Besuche von Familienangehörigen und Außenstehenden in den bisherigen Formen noch nicht möglich.

Striktes Monitoring

Wie von Artikel 2 des Gesetzes vorgesehen, wird eine von der Landesregierung ernannte fünfköpfige Kommission von Fachleuten aus Epidemiologie, Statistik, Hygiene und öffentliche Gesundheit den Verlauf der Infektionen durch das neuartige Coronavirus beobachten. Sollte die Infektionskurve wieder ansteigen und sich Südtirol den Kapazitätsgrenzen des Gesundheits- und Pflegesystems nähern, schlägt diese Kommission dem Landeshauptmann Maßnahmen zur Einschränkung des Infektionsrisikos vor.

Weitere Lockerungen mit LH-Verordnung möglich

Das Gesetz sieht darüber hinaus vor, dass der Landeshauptmann – sollte es die epidemiologische Entwicklung zulassen – Verordnungen erlassen kann, die mit einfachen Maßnahmen die Rückkehr ins gewohnte Leben Schritt für Schritt ermöglichen.

Gesundheitsmaßnahmen und Bewusstseinsbildung

Begleitet werden die Lockerung und der Neustart von Maßnahmen im Gesundheitswesen, die darauf abzielen, die Verbreitung der Epidemie wirkungsvoll einzudämmen und unter Kontrolle zu halten. So wird der Südtiroler Sanitätsbetrieb die Labortest-Kapazitäten stark erhöhen, auch serologische Tests und Schnelltests werden für bestimmte Bevölkerungs- und Risikogruppen durchgeführt. Infektionsherde müssen möglichst frühzeitig identifiziert und eingedämmt werden. Auch die Gesundheitsdienste werden verstärkt, um bei Wiederauftreten von schweren Covid-19-Fällen sofort ausreichend Intensiv- und stationäre Covid-Stationen in Betrieb zu nehmen. Mit gezielten Informationen und Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung werden Land und Sanitätsbetrieb zudem die Allgemeinheit zu Einhaltung von Regeln und Vorgaben anhalten.

Nützliche Infos zu Hauszustellungen (Medikamente u.a.) + Einkäufe Südtirol weit für Menschen in Schwierigkeiten

Weißes Kreuz: Der Dienst ist täglich von 8 Uhr  bis 18 Uhr unter der Nummer 0471 444444 in allen Südtiroler Gemeinden aktiv.
Rotes Kreuzes CRI: Der Dienst ist von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 17 Uhr unter der Nummer Tel. 388 3652727 in den Gemeinden Bozen, Meran, Leifers und Gröden aktiv.

AUSER – VSSH Zentrum Bozen EO

Das AUSER-VSSH Zentrum Bozen EO steht älteren Menschen zur Seite. Der Dienst ist für Menschen, die älter als 65 Jahre sind oder gesundheitliche Probleme haben und Schwierigkeiten haben, in die Geschäfte zu gehen, gedacht. Der Dienst steht unter der Woche von 8.30 Uhr bis 18 Uhr, samstags von 8.30 bis 12 Uhr zur Verfügung. Wer Hilfe und Informationen braucht, oder einfach nur jemanden zum Zuhören kann sich melden. Ebenso angeboten wird der Einkauf und die Zustellung von Medikamenten und Lebensmitteln.
Tel. 0471 200588, von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten ist der Anrufbeantworter unter der Nummer 0471 930126 aktiv, E-Mail: presidio@auserbz.org; presidenza@auserbz.org

Einkaufstelefon der Südtiroler Vinzenzgemeinschaft:

Tel. 0471 324208

Heimzustellung von Volontarius:

Mitteilungen an briciole@volontarius.it oder Tel. 346 880 2505, und zwar von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

Heimzustellung von Young Caritas

Kostenloser Lebensmitteleinkaufsservice für Personen, die über 65 Jahre alt sind. Alle Personen, die über 65 Jahre alt sind oder Personen, die ältere Angehörige pflegen, können sich an den Dienst wenden.
Tel. 0471 304306, info@youngcaritas.bz.it
Der Dienst wird auch in der Gemeinde Meran angeboten und zwar als Einkaufsdienst für Lebensmittel und Medikamente

Angebote in Meran, Brixen und Bruneck:

Gemeinde Meran – Einkaufsdienst
Der Dienst kann von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer 333 6127851 angefragt werden.

Gemeinde Brixen und Umgebung Eisacktal: Einkaufsdienst

Der Notdienst kann montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr beim zuständigen Sozialsprengel beantragt werden.
Tel. 0472 820 591

Gemeinde Bruneck: Einkaufsdienst und Medikamente

Tel. 0474 545454
Montag bis Freitag von 8.30 Uhr – 12.30 Uhr

von Monika Kripp: Mitglied im Fachbeirat von ASAA und Validationstrainerin

Demenzbetreuung, Versorgung und Begleitung in Zeiten der Corona-Krise

 

Hier der Artikel zum Herunterladen: Corona Demenz

Sehr geehrte Menschen mit Demenz, sehr geehrte Angehörige von Menschen mit Demenz!

Wir alle finden uns durch die Ausbreitung des Corona-Virus in einer Lage, wie wir sie noch nicht erlebt haben. Wir alle schränken unsere direkten Kontakte ein und versuchen mit den Veränderungen umzugehen und reagieren mit unterschiedlichen Strategien auf diese Krise. Ich möchte Sie in dieser schwierigen Zeit durch Informationen und Tipps unterstützen, den Alltag und die Beziehung zueinander stabil und tragfähig zu halten.

Ich versichere Ihnen, dass ich auf diese Weise an Sie alle denke, und mich mit Ihrer Situation solidarisch zeige und mir Ihre Herausforderungen bewusst sind.

Sie als Angehörige von Menschen, die zwar die allgemeine Bedrohung durch den Virus und die Angst und Verunsicherung  sowie das Eingesperrt sein mit Ihnen spüren und teilen, aber die sich daraus ergebenden Konsequenzen nicht akzeptieren können, die angeordneten Maßnahmen nicht umsetzen, weil sie sie sich nicht merken können, weil die Fähigkeiten Situationen und Bedrohungen richtig zu beurteilen eingeschränkt sind, stehen unter besonderem Druck.

Die Verantwortung für die Betroffenen in der Isolation und die Alltagsbewältigung ohne Unterstützung durch andere Familienmitglieder, Freunde, Bekannte oder professionelle Dienste belasten Sie jetzt in besonderer Weise. Mit möglichen Folgen wie Stress und Aggressionen ist zu rechnen.

Sie schlafen möglicherweise schlecht, sind erschöpft, mut- und kraftlos oder verzweifelt? Wie schaut es bei den Betroffenen aus? Nicht viel anders, aber ihnen fehlt Ihre Fähigkeit, Impulse zu unterdrücken, wie zum Beispiel einfach davon zu laufen. Auch können Betroffene oft nicht mehr wie früher sprechen und ihre Gefühle und Bedürfnisse mitteilen. Bei fortgeschrittener Demenz schränkt sich die Selbstkontrolle wie die Anpassungsfähigkeit zunehmend ein und die Erfüllung eines Bedürfnisses kann nicht aufgeschoben werden, es „muss sofort etwas passieren“. Dazu kommt, dass sich Menschen mit Demenz je nach Beeinträchtigung nicht in Ihre Lage hineinversetzen können, sie verstehen können.

Menschen (mit Demenz) verfügen über individuelle Strategien und reagieren unterschiedliche auf Bedrohungen, Verunsicherung, Angst, Schmerz, Langeweile, Kontrollverlust, Orientierungslosigkeit, Leidensdruck, Eingesperrt Sein, Abhängigkeit und Stress.

Veränderte Verhaltensweisen von Menschen mit und ohne Demenz – ein Weg sich verständlich zu machen: Depressive Stimmungsveränderungen, Wahn, Reizbarkeit, Energielosigkeit, Weglauftendenzen und Schutzsuche, Aggressionen, aggressive Ausbrüche oder Rückzugstendenzen, Antriebslosigkeit oder Hyperaktivität, Klammern, Essstörungen und verstärkte motorische Unruhe, Schlafstörungen bzw. Umkehr des Tag/Nacht-Rhythmus.

Wichtig: Jedes Verhalten hat einen oder mehrere Gründe oder Ursachen!

  • Um sich Abzulenken von innerer Unruhe, Stress abzubauen
  • Um sich von Schmerzen oder anderen Belastungen zu befreien
  • Um sich zu Trösten
  • Um Gefühle auszudrücken oder abzubauen
  • Um in Sicherheit zu gelangen
  • Um sich zu spüren
  • Um sich wieder auszukennen so wie es früher war
  • Um sich zu verteidigen

Biologische Faktoren:

Veränderungen und Abbauprozesse im Gehirn bewirken bei den meisten Menschen mit Demenz eine veränderte Wahrnehmung der Realität. Demenz als häufige Erkrankung des höheren Alters bedeutet, dass auch andere altersbedingte Beschwerden (Arthritis, Rückenschmerzen, Gehbeeinträchtigungen, Probleme mit dem Sehen und Hören, Schwindel, Verstopfung, Schlafstörungen) und körperliches Missbehagen ursächlich an veränderten Verhaltensweisen beteiligt sind. Infektionen, Hunger/Durst, Vergiftung durch Alkohol, Medikamente oder andere Substanzen sowie Müdigkeit oder Wetterumschwünge können ebenfalls ursächlich wirken.

Psychische Faktoren:

Die jeweilige Persönlichkeit und Biografie der Betroffenen sowie der individuelle Umgang mit Schwierigkeiten im Leben können Anhaltspunkte für die Erklärung von bestimmten Verhaltensweisen, Emotionen und Strategien geben.

Soziale Faktoren:

Die Umgebung spielt eine große Rolle und beeinflusst das Wohlbefinden je nach Hilfsbedürftigkeit maßgeblich: Temperatur, Licht, Geräusche, Beengtheit – Bewegungsfreiheit, Rückzugsmöglichkeiten. Wie viele Personen gehören zu meinen Kontakten? Wer ist konstant als Gegenüber für mich da? Wer schaut mich an und hört mir zu? Welche Leistungen kann ich als Betroffene oder Betroffener selber erbringen, kann aktiv sein und bekomme dafür Lob und Anerkennung?

Was jetzt hilft:

Finden Sie eine passende Tagesstruktur und behalten Sie gewohnte Routinen so weit erlaubt bei, die auch für Sie als Angehörige eine Pause ermöglichen. Z.B während des Mittagsschlafes oder in der Früh je nach Neigung und Möglichkeit. Nützen Sie diese ganz bewusst zum Durchatmen. Tun sie sich etwas Gutes und belohnen Sie sich.

Überschaubares und Gewohnheiten geben uns Halt. Ein Schritt nach dem Anderen kann hilfreich sein, statt in Gedanken schon 3 Erledigungen weiter zu sein. Konzentrieren Sie sich auf das, was gerade ansteht. Finden Sie Tätigkeiten, die die Betroffenen ausführen können: Tisch decken, Geschirr waschen, Wäsche zusammenlegen, Servietten falten, alles ohne Zeitdruck und mit einem Lob und Dank als Anerkennung.

Kraft schöpfen gelingt beim Meditieren oder beim gemeinsamen Gebet, da der Messbesuch im Moment nicht möglich ist. Wiederholen Sie so oft es geht ermutigende Sprüche wie z.B. Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Psalm 23,1

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 121:1-2

Oder machen Sie einen bewussten Blick aus dem Fenster und schauen auf den Himmel und die Natur und genießen die beginnende Blüte und das zarte Grün als hoffnungsspendende Kraft des Frühlings. Schreiben Sie Erbauliches und Stärkendes auf: Alles im Leben geht vorüber, auch diese schwierige Zeit!

Halten Sie fixe Zeiten für Radionachrichten oder Fernsehsendungen ein. Lassen Sie angesichts der belastenden und beängstigenden Nachrichten das Radio oder den Fernseher nicht dauernd eingeschalten. Wählen Sie eine Sendung bewusst zu einer bestimmten Zeit und schalten dann wieder ab.

Achten Sie auf Bewegungsmöglichkeiten im Sitzen oder mit den Händen: Knöpfe, Wolle oder Fadenspulen farblich sortieren.

Geben Sie trockene Bohnen/Reis/Nudeln oder Linsen in eine Schüssel und verstecken kleine Alltagsgegenstände wie einen Fingerhut oder Schlüssel, einen Stift oder Münzen darin und suchen Sie gemeinsam nach den Gegenständen. Benennen Sie diese. Vorsicht: Gegenstände können in den Mund oder die Nase gesteckt werden, daher sollten diese Tätigkeiten nur gemeinsam ausgeführt werden!

Abzählreime für die Finger können ebenfalls anregen, die Finger zu bewegen:

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,

Ein Tiroler hat geschrieben:

„Liebe Mutter sei so gut,

schick mir ein Tirolerhut.

Nicht zu groß und nicht zu klein,

denn er soll zur Hochzeit sein.“

Eins, zwei, drei und Du bist frei.

 

Beziehungspflege: Finden Sie Möglichkeiten sich und Ihre Person mit Demenz zu belohnen. Eine Hand halten oder Streicheln, ein liebes Wort oder ein Lächeln, gemeinsames Singen, Tanzen oder Schunkeln hebt ebenso die Stimmung wie Fotos anschauen, ein Stück Schokolade oder das Haustier streicheln. Erinnern Sie an Vergangenes aus der Lebens- und Familiengeschichte, dass es früher schon schwere Zeiten gegeben hat und diese auch überstanden wurden. Was alles getan wurde um sich und anderen zu helfen….

Halten Sie regelmäßig telefonischen Kontakt zu Ihnen nahestehenden Personen. Verwandte, Bekannte, Freunde und Freundinnen, Kolleginnen und Kollegen oder die vielen Initiativen der Hilfsorganisationen, die verstärkt Telefongespräche anbieten. Diese Gespräche können Sie entlasten und ablenken.

Kritische Situationen entschärfen:

  • Nehmen Sie Anschuldigungen und Abwehrverhalten nicht persönlich – bleiben Sie ruhig. Sagen Sie innerlich ‚Stopp‘ und ihren Vornamen und atmen Sie 3x tief durch bevor Sie reagieren, sagen Sie, dass Sie eine Pause brauchen. Gehen Sie aus der Situation oder aus dem Zimmer, um klare Gedanken zu fassen und den Puls/Herzschlag wieder zur Ruhe kommen zu lassen. Strecken Sie beide Arme über ihren Kopf und schauen Sie nach oben. Versuchen Sie mit einem Schnaufen auszuatmen. Ein Blick zum Fenster hinaus, bei dem Sie bewusst wahrnehmen, was Sie sehen hilft aus den starken Gefühlen auszusteigen. Dann die Mundwinkel wie beim Lachen nach oben ziehen, es darf eine Grimasse werden, Sie tun sich und den Angehörigen etwas Gutes!
  • Diskutieren und Zwang bringen in der Regel nichts.
  • Setzen Sie Grenzen wo es notwendig ist – bei Selbst- oder Fremdgefährdung.
  • Lenken Sie von einer kritischen Situation ab oder lassen Sie die Sache für den Moment auf sich beruhen.
  • Stolperfallen beseitigen, für ausreichende und gute Beleuchtung sorgen – das Licht von Fernseher und Computer können besonders abends die Unruhe fördern. Hören Sie lieber Musik oder lesen Sie etwas vor.
  • Machen Sie mit, wenn Sinnestäuschungen und angstauslösende Dinge geschildert werden, die Sie nicht wahrnehmen. Korrigieren Sie nicht, sondern akzeptieren sie diese Wahrnehmung und unterstützen Sie je nach Situationen „durch Spinnen entfernen, Zwerge mit Essen versorgen um sie freundlich zu stimmen, mit Straßenkleidern oder Gummistiefeln/Handschuhen ins Bett gehen lassen bei Angst vor Stromschlägen und ähnlichem.“
  • Finden Sie etwas zum Lachen, eine komische Geschichte, einen Witz, oder eine Komödie im Fernsehen. Humor ist eine wichtige Stütze im Alltag mit Menschen mit Demenz. Gemeinsam lachen, nicht andere auslachen.
  • Bei Angriffen schützen Sie sich mit einem Polster vor Verletzung und versuchen Sie in ein anderes Zimmer zu gehen.

Rufen Sie Notfallnummern, wenn Sie Hilfe brauchen!

Weg- oder Hinlauftendenzen oder ruheloses Umhergehen in Zeiten von Bewegungseinschränkungen:

Das Weglaufen oder Entweichen von Menschen mit Demenz ist gerade jetzt eine große Herausforderung. Die Betroffenen sind sich der aktuellen Situation nicht bewusst und auch nicht der damit einhergehende Gefährdung. Sie wollen die gewohnten Gänge zum Einkaufen, zur „Arbeit“, zu den Kindern, in die Messe oder auf den Friedhof beibehalten.

Vielleicht fühlen sie sich zu Hause richtigerweise eingesperrt und wollen davor davonlaufen. Vielleicht haben sie auch das Verlangen, den Kindern, Eltern oder Tieren in dieser bedrohlichen Zeit beizustehen bzw. Schutz zu suchen.

Als Reaktion auf die eingeschränkte Bewegungsfreiheit ist dieses Verhalten verständlich. Die Kontrolle über das „Flucht- oder Schutzverhalten“ geht verloren, dem Impuls wird nachgegeben.

Fragen Sie die Person, die das Haus verlassen möchte, wo sie hinmuss und hören Sie genau zu, was sie sagt. Wenn Sie mit ihr über den Ort und die Erinnerungen daran sprechen, kann sie sich beruhigen.

In dieser Notfall- und Ausnahmesituation kann es helfen, die Haustüre zu versperren und den Schlüssel abzuziehen. Aber Achtung, im Falle eines Feuers sollten die Ausgänge nicht verbarrikadiert sein. Es kann natürlich zu verstärktem an der Tür Rütteln oder Aggressionen kommen. Erklären Sie, dass es sich um die Anordnung des Staatspräsidenten handelt, der sich darauf verlässt, dass sich alle an die Regeln halten und die Polizei auf die Einhaltung achten und im Fall Strafen verhängen wird.

Lenken Sie in Folge ab, indem Sie eine alternative Tätigkeit vorschlagen.

Das Licht im Flur davor sollte wenn möglich ausgeschaltet sein (Achtung: Sturzgefahr) und die Vorhänge zugezogen werden außer im WC, wo es immer brennen kann. In den Aufenthaltsräumen ohne Ausgang ins Freie sollten dafür alle Lichter eingeschaltet werden und die Temperatur sollte als angenehm empfunden werden.

Schwarze Fußabstreifer können ebenfalls als Barriere/Loch im Boden wahrgenommen werden und ein darauf oder darüber Steigen verhindern. Ebenfalls kann es helfen, auf der Ausgangstür ein Verbotsschild mit einem „Halt oder Ausgang gesperrt“ anzubringen.

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme ist es, in allen Kleidungsstücken oder Handtaschen Zettel mit Namen und Telefonnummer/Adresse und der Diagnose als Demenzpatient oder Demenzpatientin unterzubringen.

Sollten Menschen mit Demenz abgängig sein, sind nach einer kurzen Suche der näheren Umgebung inklusive Nebengebäude, Keller etc. und Befragung der Nachbarn die lokale Polizei-Station zu verständigen. Beschreiben Sie die Situation und sagen Sie, seit wann die vermisste und schutzbedürftige Person (Name, Adresse, Diagnose, Alter) abgängig ist und wie sie zuletzt bekleidet war. Je früher die Sicherheitskräfte wissen, dass jemand vermisst wird, desto eher können sie suchen.

Belohnen Sie das Zuhause Bleiben oder Niedersetzen mit einer Zuwendung, einem Bonbon, einem Stück Schokolade.

Damit sich Personen mit Demenz zuhause wohler fühlen, regen Sie zu gemeinsamen Aktivitäten an: Singen, Tanzen, Tisch decken, Servietten falten, Zeitungen schlichten, Rosenkranzbeten, Haustiere versorgen, Fotos anschauen…

Räumen Sie alle möglichen Stolperfallen weg: Kabel, Teppiche

Telefonieren Sie mit dem Hausarzt oder der Hausärztin, ob im Fall ein beruhigendes Medikament verschrieben werden kann.

Erläuterndes Rundschreiben des Arbeitsministeriums

Circolare esplicativa min lavoro Zum Herunterladen

Im Artikel 24 des Dekrets Cura Italia sind 12 zusätzliche Tage nur für die Betroffenen gemäß Absatz 3 des Artikels 33 des Gesetzes 104/92 für die entsprechende familiäre Unterstützung und nicht für den Absatz 6, das heißt für die Menschen mit Beeinträchtigung, vorgesehen worden.

Die finanzielle Unterstützung ist jedoch sei es für den Absatz 3 wie auch für den Absatz 6 vorgesehen. Die Anmerkung des Ministeriums ist daher sehr wertvoll und ermächtigt hiermit das Institut „INPS“, dass auch die zweite betroffene Kategorie der Interessierten berücksichtigt wird.

Gemeinsam hier

Die engagierte Liedermacherin Barbara Zanetti meldet sich in diesen „unwirklichen Zeiten“, wie sie sie treffend nennt, zu Wort und ruft uns alle zur Gemeinsamkeit auf, zur Besinnung auf die echten Werte:

„Lasst uns tanzen. Der Angst entgegengehen.

Den Sturm verwandeln. Den Menschen sehen.

Behutsam. Besonnen.

Gemeinsam. Hier.“

Ihr leiser, eindringlicher Song ist hier zu hören.